AIS.chat: Was der kostenlose KI-Chatbot der Bundesländer für deinen Unterricht kann
Funktionen, Zugang, Grenzen — der ausführliche Praxis-Guide zum ländergemeinsamen Schul-Chatbot
Dieser Artikel zeigt die praktische Einführung. Die rechtliche Vertiefung (DSGVO-Bewertung, Auftragsverarbeitung, AI Act) findest du unter AIS.chat und Datenschutz.
Endlich eine KI, die du offiziell mit deiner Klasse nutzen darfst
Seit ChatGPT in den Schulalltag eingesickert ist, stehen Lehrkräfte vor einem Dilemma: Die Werkzeuge sind nützlich, aber der Einsatz mit Schüler:innen bewegt sich bei den öffentlichen US-Diensten in einer rechtlichen Grauzone. Wir haben das im Artikel über ChatGPT im Unterricht ausführlich beschrieben. Genau diese Lücke soll AIS.chat schließen: ein KI-Chatbot, den die Bundesländer gemeinsam betreiben lassen, der für öffentliche Schulen kostenlos ist und der ausdrücklich für den Einsatz mit Schüler:innen konzipiert wurde.
Zum ersten Mal stellt der Staat damit flächendeckend ein generatives KI-Werkzeug für den Unterricht bereit, statt die Frage den Schulen, Schulträgern und kommerziellen Anbietern zu überlassen. Ob das Angebot hält, was die Pressemitteilungen versprechen, ist eine andere Frage. Dieser Artikel beantwortet sie so nüchtern wie möglich: mit den offiziellen Fakten, den bekannten Grenzen und konkreten Szenarien für deinen Unterricht.
Wer steckt dahinter: das AIS-Projekt des FWU
AIS.chat ist kein Produkt eines Start-ups, sondern Teil des Projekts „Adaptives Intelligentes System" (AIS), das alle 16 Bundesländer beim FWU, dem Medieninstitut der Länder, in Auftrag gegeben haben. Die Finanzierung läuft über den DigitalPakt; laut Projektangaben stehen dafür rund 52 Millionen Euro bei einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren bis Ende 2026 zur Verfügung. Die Entwicklung läuft seit November 2024 als Open-Source-Lösung; das ist im Bildungsbereich keine Selbstverständlichkeit.
Bis zum 19. Mai 2026 lief der Chatbot unter dem Namen telli. Die Umbenennung in AIS.chat hatte markenrechtliche Gründe; Funktionen und Zugänge blieben erhalten. Reibungslos verlief der Wechsel allerdings nicht: Das Portal News4teachers sprach von einem „Fehlstart" für die staatliche Unterrichts-KI, weil Schulen Homepages, Elternbriefe und interne Dokumente umstellen mussten, kaum dass sie den alten Namen eingeführt hatten. Für die Bewertung des Werkzeugs selbst ist das zweitrangig — für das Vertrauen in die Projektkommunikation nicht.
Wichtig zur Einordnung: AIS.chat ist eine Chat-Oberfläche, kein eigenes Sprachmodell. Die Plattform bindet bestehende Modelle an (dazu unten mehr) und legt eine schulgerechte Verwaltungs- und Datenschutzschicht darüber. Der Mehrwert liegt also nicht in besserer KI, sondern in der Infrastruktur: Zugänge, Rollen, Pseudonymisierung (Nutzer:innen erscheinen nur unter Kennungen, nicht mit Klarnamen), Kontingente.
Verfügbarkeit: Welche Bundesländer sind dabei?
Der Rollout läuft schrittweise und ist noch nicht abgeschlossen. Nach der offiziellen FAQ ist AIS.chat derzeit in zwölf Bundesländern verfügbar: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
Die Wege dorthin unterscheiden sich je nach Land: Baden-Württemberg hat den Chatbot über SCHULE@BW eingeführt, Niedersachsen über das Medienregal der Niedersächsischen Bildungscloud, Nordrhein-Westfalen zunächst an Berufskollegs, Berlin seit Mai 2026, Sachsen-Anhalt seit Sommer 2026. Einzelne Länder gehen bewusst einen anderen Weg: Rheinland-Pfalz etwa setzt auf eine Landeslizenz für fobizz statt auf AIS.chat.
Praktisch bedeutet das: Ob und wie du AIS.chat nutzen kannst, entscheidet dein Bundesland, nicht du. Der erste Schritt ist immer der Blick ins eigene Landesportal (oder die Nachfrage bei den Medienberater:innen des Landes), ob der Zugang schon freigeschaltet ist und über welche Plattform er läuft.
Der Zugang: VIDIS statt neuer Accounts
Die Anmeldung läuft über VIDIS, den länderübergreifenden Vermittlungsdienst für digitale Bildungsangebote. Diese Konstruktion spart Verwaltungsaufwand: Lehrkräfte melden sich mit ihrem bestehenden Landes- bzw. Schulportal-Zugang an, statt ein weiteres Konto bei einem weiteren Dienst anzulegen.
Noch wichtiger ist die Konstruktion auf Schülerseite: Schüler:innen brauchen kein eigenes Konto und keinen Klarnamen. Lehrkräfte schalten vorbereitete Lernszenarien oder Chat-Räume frei und teilen sie per Link oder QR-Code; die Klasse arbeitet darin, ohne dass persönliche Konten entstehen. Damit entfällt der datenschutzrechtlich heikelste Teil vieler KI-Einführungen weitgehend von selbst: die Frage, welche personenbezogenen Daten von Minderjährigen bei welchem Anbieter landen.
Die Werkzeuge im Detail
AIS.chat ist mehr als ein Chat-Fenster. Die Plattform bringt laut offizieller FAQ vier Werkzeugtypen mit, die unterschiedliche didaktische Aufgaben abdecken.
1. Der allgemeine Chat
Das Kernstück: ein Chat-Interface, wie du es von ChatGPT oder Claude kennst, wahlweise mit aktivierbarer Websuche. Hier erledigst du als Lehrkraft die klassischen Aufgaben: Texte entwerfen, Materialien differenzieren, Ideen sammeln, Erklärungen formulieren. Wer bereits mit unserer KI-Prompt-Bibliothek oder den Prompts aus dem Praxis-Artikel arbeitet, kann die Vorlagen unverändert in AIS.chat verwenden: Gute Prompts funktionieren modellübergreifend.
2. Assistenten: wiederkehrende Aufgaben einmal konfigurieren
Assistenten sind individuell konfigurierbare KI-Helfer für Aufgaben, die immer wieder anfallen: Materialerstellung, administrative Texte, kreative Ideenfindung. Der Unterschied zum normalen Chat: Du hinterlegst Rolle, Regeln und Format einmal und musst sie nicht bei jedem Gespräch neu eintippen. Das ist dasselbe Prinzip wie ein gut gepflegtes Prompt-Archiv, nur direkt in der Plattform verankert.
3. Lernszenarien: der geschützte Raum für deine Klasse
Das didaktisch interessanteste Werkzeug. Lernszenarien sind zeitlich begrenzte, von der Lehrkraft vordefinierte Lernumgebungen oder freie Chat-Räume, die Schüler:innen über QR-Code betreten. Du bestimmst vorab den Rahmen: Thema, Rolle der KI, Regeln. Die Klasse arbeitet dann selbstständig, aber innerhalb deiner Leitplanken.
Bildungswissenschaftlich ist genau diese Rahmung der entscheidende Punkt. Die Forschung zu digitalen Medien zeigt seit Jahren, dass nicht das Werkzeug wirkt, sondern seine didaktische Einbettung; ausführlich nachzulesen ist das in unserem Überblick „Was die Forschung wirklich zeigt". Ein KI-Chat ohne Auftrag ist Beschäftigung; ein Lernszenario mit klarem Arbeitsauftrag, definierter KI-Rolle und anschließender Auswertung im Plenum ist Unterricht.
4. Dialogpartner: mit fiktiven Personen sprechen
Lehrkräfte können fiktive Gesprächspartner anlegen, mit denen Schüler:innen chatten: die historische Person im Geschichtsunterricht, der:die Muttersprachler:in im Fremdsprachenunterricht, die Interviewpartnerin für die Reportage-Übung. Die KI hält die Rolle, du bestimmst vorher, wie sie angelegt ist.
Auch hier gilt eine Einschränkung, die alle Rollenspiel-Szenarien mit Sprachmodellen betrifft: Die KI imitiert eine Person auf Basis von Trainingsdaten. Für Sprechanlässe und Perspektivwechsel ist das wertvoll; als historische Quelle oder Faktenreferenz ist ein Dialogpartner ungeeignet und sollte im Unterricht auch so eingeordnet werden.
Dazu: Bildgenerierung — aber nur für Lehrkräfte
Für Lehrkräfte gibt es zusätzlich eine Bildgenerierung (laut FAQ auf Basis von GPT-4.5-Image, rund 0,03 Euro Kontingent-Kosten pro Bild). In Lernszenarien für Schüler:innen steht sie nicht zur Verfügung. Für Arbeitsblatt-Illustrationen und Tafelbilder reicht das; wer regelmäßig visuell arbeitet, wird eher bei spezialisierten Werkzeugen wie Canva bleiben.
Sprachmodelle und Tokenkontingent: die Mechanik dahinter
Zwei Eigenheiten unterscheiden AIS.chat spürbar von den kommerziellen Diensten. Beide solltest du kennen, bevor du den Einsatz planst.
Erstens: Die Modellauswahl ist Ländersache. AIS.chat bindet mehrere Sprachmodelle an; laut FAQ stehen derzeit unter anderem GPT-5, GPT-5 mini, GPT-5.5, Llama-3.3-70B, Llama-3.1-8B, Mistral Nemo, Gemini 3.1 Lite und Claude Sonnet 4.6 zur Verfügung. Welche davon du tatsächlich siehst, legt dein Bundesland fest. Du kannst pro Gespräch wählen, mit welchem Modell du (und deine Klasse) arbeitest. Das ist mehr Auswahl, als viele kommerzielle Schul-Plattformen bieten. Es erlaubt zudem einen didaktisch reizvollen Nebeneffekt: Modelle vergleichen und über die Unterschiede sprechen.
Zweitens: Es gibt ein hartes monatliches Tokenkontingent. Jede:r Nutzer:in erhält ein monatliches Volumen, dessen Höhe das jeweilige Bundesland festlegt. Ist es aufgebraucht, ist AIS.chat bis zum Monatsende nicht mehr nutzbar. Eine Erhöhung ist nicht vorgesehen; zum Ersten des Monats füllt sich das Kontingent wieder vollständig. Für normalen Unterrichtseinsatz reicht das meist. Wer aber eine Projektwoche mit täglichen KI-Phasen plant, sollte das Limit vorher im Blick haben und den Einsatz über den Monat verteilen. Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Die Länder zahlen pro verarbeitetem Token an die Modellanbieter, und ein hartes Limit schützt das Budget.
Datenschutz: was AIS.chat anders macht
Der Datenschutz ist der eigentliche Existenzgrund der Plattform, deshalb lohnt der genaue Blick. Nach den Angaben des FWU gilt:
- Pseudonymisierte Anmeldung über VIDIS; die Plattform verarbeitet keine persönlichen Daten der Nutzer:innen im Klartext, Schüler:innen arbeiten ohne eigene Konten.
- Serverstandort EU für die angebundenen Sprachmodelle.
- Kein Training mit Nutzereingaben: Die Modelle lernen nicht aus dem, was Lehrkräfte und Schüler:innen eingeben.
- Verschlüsselte Chatverläufe, die nur die Nutzer:innen selbst einsehen können und die bei Beendigung des Zugangs gelöscht werden.
Das ist eine substanziell andere Architektur als bei den öffentlichen US-Diensten: nicht das Werbeversprechen eines Anbieters, sondern eine Auftragskonstruktion der Länder in öffentlicher Trägerschaft. Trotzdem bleibt unsere Grundregel aus dem DSGVO-Vergleich der KI-Tools bestehen: Verlässlich bewerten kann und muss das am Ende die Datenschutzbeauftragung deines Landes bzw. deiner Schule. Der Unterschied ist, dass diese Bewertung bei AIS.chat in den teilnehmenden Ländern bereits institutionell erfolgt ist; genau dafür wurde die Plattform gebaut. Ein Detail verdient Betonung: Gerade weil Schüler:innen ohne Konten arbeiten, entfällt die Einwilligungs-Kaskade, an der Projekte mit kontenbasierten Diensten regelmäßig scheitern.
Die ehrlichen Grenzen
Ein staatliches Projekt mit guter Datenschutz-Architektur ist noch kein gutes Unterrichtswerkzeug. Sechs Einschränkungen gehören in die Bestandsaufnahme:
1. Sprachmodelle bleiben Sprachmodelle. Auch in AIS.chat halluzinieren die Modelle, erfinden Quellen und haben einen Wissensstichtag; die FAQ benennt das selbst. Die Plattform macht KI rechtlich handhabbar, nicht inhaltlich zuverlässiger. Der kritische Umgang mit KI-Ausgaben bleibt Unterrichtsinhalt, kein gelöstes Problem.
2. Weniger Lehrer-Werkzeuge als die kommerziellen Plattformen. fobizz und SchulKI liefern fertige Unterrichts-Werkzeuge, Materialbibliotheken und Fortbildungen mit; AIS.chat konzentriert sich auf den Chat-Kern mit Assistenten und Szenarien. Wer ein Rundum-Paket sucht, bekommt hier bewusst weniger.
3. Ein isoliertes Werkzeug. AIS.chat ist nicht mit Lernplattformen, Materialsammlungen oder Lernständen verbunden. Anbieter aus dem kommerziellen Lager kritisieren genau das: Der Chatbot werde schnell „ein weiteres isoliertes Tool im Sammelsurium digitaler Anwendungen". Die Kritik ist interessengeleitet, aber nicht falsch: Die Einbindung in den Unterricht bleibt vollständig deine Aufgabe.
4. Das Tokenlimit ist real. Ein hartes Monatslimit ohne Erhöhungsoption ist eine Planungsgröße, die es bei ChatGPT Plus & Co. so nicht gibt.
5. Der Rollout ist unfertig. Vier Länder fehlen noch, die Zugangswege unterscheiden sich, und in manchen Ländern gilt der Zugang zunächst nur für Teilbereiche (NRW: Berufskollegs). Wer Pech hat, wartet noch.
6. Die Finanzierungsfrage nach 2026. Die Projektlaufzeit ist bis Ende 2026 angesetzt. Wie es danach weitergeht (Anschlussfinanzierung, Betriebsmodell, Funktionsumfang), ist öffentlich noch nicht abschließend geklärt. Für die Einführung an deiner Schule ist das kein Hinderungsgrund, aber ein Grund, sich nicht exklusiv von einer Plattform abhängig zu machen.
Schritt für Schritt: So startest du an deiner Schule
Der Weg von „klingt interessant" zu „läuft in meiner Klasse" ist bei AIS.chat kürzer als bei vielen Schul-Werkzeugen, weil Vertrag, Datenschutzprüfung und Kosten bereits auf Landesebene erledigt sind. Ein realistischer Fahrplan:
Schritt 1: Zugang klären (10 Minuten). Prüfe im Portal deines Bundeslandes (SCHULE@BW, Bildungscloud, LOGINEO & Co.), ob AIS.chat für deine Schulform freigeschaltet ist, und melde dich einmal über VIDIS an. Wenn der Login funktioniert, ist der formale Teil erledigt; niemand muss Verträge unterschreiben oder Elterneinwilligungen für Konten einsammeln.
Schritt 2: Selbst zwei Wochen nutzen. Erledige einen Teil deiner Vorbereitung bewusst in AIS.chat statt im gewohnten Dienst: Arbeitsblätter, Differenzierung, Feedback-Formulierungen. So lernst du Modellauswahl, Tempo und Grenzen kennen, bevor die Klasse dabei ist. Nebenbei bekommst du ein Gefühl dafür, wie weit das Tokenkontingent trägt.
Schritt 3: Ein Szenario, eine Klasse. Wähle eines der Szenarien aus diesem Artikel und führe es mit einer Lerngruppe durch, die du gut kennst. Plane die Auswertung im Plenum fest ein: Was hat die KI gut gemacht, wo lag sie daneben? Diese Reflexionsphase ist keine Kür, sondern der Teil, der aus dem Werkzeugeinsatz KI-Kompetenz macht.
Schritt 4: Im Kollegium teilen. Zeig zwei Kolleg:innen dein Szenario samt Auswertung; konkrete Beispiele überzeugen in Konferenzen mehr als jede Fortbildungsfolie. Wenn die Schule den Einsatz breiter aufstellen will, gehören Schulleitung und die schulischen Gremien an den Tisch. Die rechtliche Vorarbeit ist durch die Landeslösung aber bereits geleistet.
Ein Hinweis zur Elternkommunikation: Auch wenn keine Einwilligungen nötig sind, lohnt ein kurzer transparenter Absatz im Elternbrief: was AIS.chat ist, dass keine Schülerkonten entstehen und wofür ihr es nutzt. Transparenz kostet drei Sätze und erspart Nachfragen auf dem Elternabend.
AIS.chat, fobizz, SchulKI oder ChatGPT — was wofür?
Die ausführliche Analyse steht im großen DSGVO-Vergleich; hier die Kurzfassung mit Blick auf AIS.chat:
| Einsatz | Passendes Werkzeug |
|---|---|
| Einsatz mit Schüler:innen (Szenarien, Dialogpartner) | AIS.chat — kostenlos, dafür gebaut, institutionell abgesichert |
| Eigene Vorbereitung ohne Schülerdaten | AIS.chat oder pragmatisch auch ChatGPT, Claude, Le Chat |
| Fertige Lehrer-Werkzeuge, Materialaustausch, Fortbildung | fobizz oder SchulKI (kostenpflichtig) |
| Bundesland mit fobizz-Landeslizenz (z.B. Rheinland-Pfalz) | die Landeslizenz nutzen |
| Maximale Modellqualität für komplexe Eigenaufgaben | kommerzielle Dienste, ohne Schülerdaten |
Die Faustregel hat sich seit dem DSGVO-Artikel nicht geändert, sie ist nur einfacher geworden: Für alles, was Schüler:innen berührt, ist die Landeslösung der vorgesehene Weg; das ist inzwischen meist AIS.chat.
Drei konkrete Einsatzszenarien für den Start
Die folgenden Szenarien nutzen die Stärken der Plattform gezielt und lassen sich bildungswissenschaftlich begründen.
Szenario 1: Sprechanlass im Fremdsprachenunterricht (Dialogpartner)
Lege einen Dialogpartner an, etwa eine Jugendliche aus Sevilla für den Spanischunterricht, und definiere Sprachniveau und Themenrahmen. Die Klasse führt in Partnerarbeit kurze Chat-Gespräche und dokumentiert drei gelungene und drei misslungene Formulierungen. Warum es funktioniert: Die Sprechhemmung gegenüber einer Maschine ist niedriger als im Plenum, und die Fehler-Dokumentation erzwingt die Auseinandersetzung mit der Sprache statt bloßem Durchklicken. Die Auswertung gehört ins Plenum: Dort wird aus der Übung Unterricht.
Szenario 2: Feedback auf Erstfassungen (Assistent mit Kriterienraster)
Konfiguriere einen Assistenten mit deinem Erwartungshorizont für eine Schreibaufgabe („These erkennbar, zwei belegte Argumente, Gegenargument entkräftet …") und lass Schüler:innen ihre Erstfassungen im Lernszenario prüfen. Der feste Auftrag dazu: mindestens zwei Hinweise umsetzen und die Stellen markieren. Wichtig ist die Trennlinie: Die KI gibt Rückmeldung zum Prozess, die Bewertung bleibt bei dir. Warum diese Trennung entscheidend ist, zeigt die Forschung zum KI-Feedback deutlich: Sprachmodelle geben brauchbare Hinweise, aber keine zuverlässigen Noten.
Szenario 3: Klausurvorbereitung als Abfrage-Szenario
Baue ein Lernszenario, in dem die KI Fragen zum Unterrichtsstoff stellt. Die Antworten der Schüler:innen bewerten lässt du sie ausdrücklich nicht; stattdessen gibt die KI gestufte Hinweise, bis die Lernenden selbst auf die Lösung kommen. Das nutzt den Testing-Effekt (aktives Abrufen festigt Wissen besser als Wiederlesen) und hält zugleich die Verantwortung für die Leistungsbewertung dort, wo sie hingehört. Passende Prompt-Vorlagen dafür findest du in der Prompt-Bibliothek.
Szenario 4: Quellenkritik am Dialogpartner (Geschichte/Politik)
Lege einen Dialogpartner als historische Person an und mache anschließend genau diese Imitation zum Thema. Die Klasse befragt die Figur zu ihrem Leben, sammelt die Antworten und prüft sie dann gegen Schulbuch und Quellensammlung: Was stimmt, was ist verkürzt, was hat das Modell erfunden? Warum es funktioniert: Statt abstrakt vor Halluzinationen zu warnen, lässt du die Klasse welche finden. Das ist Quellenkritik am zeitgemäßen Gegenstand und nebenbei eine der wirksamsten Formen von KI-Aufklärung, die der Unterricht bieten kann.
Szenario 5: Die strukturierte Vertretungsstunde
Ein vorbereitetes Lernszenario mit klarem Arbeitsauftrag ist eine der wenigen digitalen Vertretungslösungen, die ohne Vorwissen der vertretenden Lehrkraft funktionieren: QR-Code an die Tafel, Auftrag auf dem Arbeitsblatt, Ergebnisse werden am Ende gesichert. Wichtig ist der Auftrag mit Produktpflicht: „Erarbeite mit der KI drei Fragen samt Antworten zum Thema X und notiere sie handschriftlich". Sonst wird aus der Stunde betreutes Chatten. Die Handschrift-Notiz ist bewusst gewählt: Sie erzwingt Verarbeitung statt Kopieren.
Was die Lernforschung zum begleiteten KI-Einsatz sagt
Für AIS.chat gilt, was unser Überblick zur Forschungslage bei digitalen Medien generell zeigt: Nicht das Werkzeug erzeugt Lernwirkung, sondern die didaktische Einbettung. Geräte und Plattformen allein bewegen die Effektstärken, also die statistischen Maße für Lernwirkung, kaum. Auf AIS.chat übersetzt heißt das: Ein freigeschalteter Chat ist noch kein Unterrichtskonzept. Die Szenarien-Architektur der Plattform ist deshalb ihr eigentlicher didaktischer Trumpf, weil sie Rahmung erzwingt, wo das blanke Chat-Fenster sie nur erlaubt.
Zwei Befunde aus der jungen KI-Forschung sind für die Praxis besonders relevant. Erstens empfiehlt die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz den regelmäßigen, begleiteten LLM-Einsatz erst ab etwa Klasse 8; darunter hat der Aufbau basaler Kompetenzen Vorrang, und „begleitet" ist wörtlich zu nehmen. Zweitens warnt dieselbe Kommission vor einem Equity-Effekt: Lernende mit starkem Vorwissen können KI-Ausgaben besser einordnen und profitieren deshalb mehr; unbegleiteter Einsatz kann Leistungsscheren weiter öffnen. Beides spricht nicht gegen AIS.chat, sondern gegen den Irrtum, die Plattform ersetze didaktische Entscheidungen. Sie stellt nur sicher, dass diese Entscheidungen nicht mehr an Vertrags- und Datenschutzfragen scheitern.
Meine Empfehlung nach Einsatzszenario
Dein Bundesland ist angebunden: Aktiviere den Zugang über das Landesportal und fang mit einem der drei Szenarien klein an: eine Klasse, ein Format, bewusste Auswertung. AIS.chat ist der vorgesehene Weg für den Schülereinsatz, und er kostet nichts.
Dein Bundesland fehlt noch: Weiche nicht auf eigene Faust aus. Erfrage beim Landesportal den Stand und nutze KI bis dahin nur für die eigene Vorbereitung ohne Schülerdaten.
Du brauchst mehr als den Chat: fobizz oder SchulKI ergänzen AIS.chat um fertige Werkzeuge und Fortbildung; das eine schließt das andere nicht aus.
Du willst KI-Kompetenz unterrichten: Die Modellauswahl in AIS.chat eignet sich dafür besonders gut. Gleiche Aufgabe, zwei Modelle, Unterschiede diskutieren: Kritischer Umgang mit KI wird greifbar, wenn man Varianz sichtbar macht.
Häufige Fragen
Was kostet AIS.chat?
Für öffentliche Schulen in teilnehmenden Bundesländern nichts; die Finanzierung läuft über den DigitalPakt und die Länder. Es gibt keine Premium-Stufe. Begrenzt wird stattdessen über das monatliche Tokenkontingent.
Ist AIS.chat wirklich datenschutzkonform?
Die Architektur ist dafür gebaut: pseudonymisierte VIDIS-Anmeldung, keine Schülerkonten, EU-Server, kein Training mit Eingaben, verschlüsselte Verläufe. Die verbindliche Bewertung für deine Schule trifft die zuständige Datenschutzbeauftragung; in den teilnehmenden Ländern ist sie institutionell bereits erfolgt. Eine pauschale eigene Zusicherung geben wir grundsätzlich nicht ab.
Welche Sprachmodelle stecken dahinter?
Mehrere, wählbar pro Gespräch: derzeit unter anderem Modelle der GPT-5-Familie, Llama, Mistral, Gemini und Claude. Die konkrete Auswahl legt dein Bundesland fest und ändert sich mit der Zeit.
Was passiert, wenn das Tokenkontingent aufgebraucht ist?
Dann ist AIS.chat für dich bis zum Monatsende nicht nutzbar; zum Ersten füllt sich das Kontingent automatisch wieder. Eine Erhöhung ist nicht vorgesehen. Plane intensive KI-Phasen deshalb über den Monat verteilt.
Können Schüler:innen AIS.chat auch zu Hause nutzen?
Innerhalb der von dir freigegebenen Lernszenarien ja: Der Zugang läuft über Link oder QR-Code und ist zeitlich begrenzt, ohne dass ein eigenes Konto nötig wäre. Einen freien Privat-Zugang für Schüler:innen gibt es nicht; das ist Absicht, nicht Einschränkung.
Heißt es jetzt telli oder AIS.chat?
AIS.chat, seit dem 20. Mai 2026 und aus markenrechtlichen Gründen. Funktionen und Zugänge sind gleich geblieben. Ältere Materialien und Portalseiten verwenden teils noch den alten Namen.
Ersetzt AIS.chat fobizz oder SchulKI?
Nein, es verschiebt die Arbeitsteilung: Der rechtssichere Schülereinsatz ist mit AIS.chat kostenlos abgedeckt; die kommerziellen Plattformen punkten weiter mit fertigen Werkzeugen, Materialbibliotheken und Fortbildungen. Viele Schulen werden beides kombinieren oder mit AIS.chat allein auskommen.
Fazit: Der Standardweg — mit offenen Fragen
AIS.chat ist nicht die beste KI, die du je benutzt hast. Muss es auch nicht sein. Es ist die erste, die du ohne rechtliche Bedenken mit deiner Klasse benutzen kannst: kostenlos, in öffentlicher Trägerschaft, mit einer Architektur, die die heikelsten Datenschutzfragen konstruktiv löst statt sie wegzulizensieren. Die Lernszenarien und Dialogpartner sind didaktisch durchdachter als das blanke Chat-Fenster der kommerziellen Dienste, und die Modellauswahl macht KI-Kompetenz unterrichtbar.
Zugleich gilt: Der Rollout ist unfertig, das Tokenlimit ist eine echte Planungsgröße, die Werkzeug-Tiefe der kommerziellen Plattformen erreicht AIS.chat nicht, und die Finanzierung nach 2026 ist offen. Wer heute startet, startet auf einer Plattform, die sich noch beweisen muss — aber auf der richtigen Seite der rechtlichen Grauzone. Für den Einsatz mit Schüler:innen ist AIS.chat damit der Standardweg, an dem sich alle anderen Angebote messen lassen müssen.
Quellen
- FWU: Neuer Name für den KI-Chatbot (Mai 2026)
- AIS.chat: Aus telli wird AIS.chat (Mai 2026)
- AIS.chat: Fragen und Antworten (offizielle FAQ) (abgerufen August 2026)
- AIS-Projekt: AIS.chat (abgerufen August 2026)
- Kultusministerium Baden-Württemberg: KI-Chatbot für Schulen geht an den Start
- Bildungsportal NRW: KI-Chatbot AIS.chat und Umbenennung telli → AIS.chat
- FWU: AIS.chat startet an öffentlichen Schulen in Berlin (Mai 2026)
- Business Punk: Sachsen-Anhalt startet AIS.chat an Schulen (2026)
- News4teachers: Aus „telli" wird „AIS.chat" (Mai 2026)
- Teachino: AIS-Chat vs. Teachino (Anbieter-Perspektive, 2026)