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KI im Unterricht

DSGVO-konforme KI-Tools für Lehrkräfte: Welche Plattformen sind wirklich rechtssicher?

Eine Analyse deutscher und internationaler KI-Plattformen für den Schulkontext

14 Min. Lesezeit
Sekundarstufe IAlle Fächer

Warum die DSGVO-Frage bei KI-Tools so kompliziert ist

KI-Tools sind aus dem deutschen Bildungsalltag nicht mehr wegzudenken. Lehrkräfte nutzen sie für Vorbereitung, Schüler:innen für Hausaufgaben, Schulleitungen für Verwaltung. Gleichzeitig wächst der Druck, diese Nutzung rechtssicher zu organisieren. Genau hier wird es kompliziert.

Drei Probleme machen die Lage schwierig:

Problem 1: Datenflüsse über die Grenzen. Die bekanntesten KI-Tools (ChatGPT, Claude, Gemini) verarbeiten Daten auf Servern in den USA. Auch nach dem EU-US Data Privacy Framework von 2023 ist die Lage nicht eindeutig; Datenschutzbeauftragte mehrerer Bundesländer raten weiterhin zur Vorsicht.

Problem 2: Verarbeitung von Schülerdaten. Eine Lehrkraft, die ChatGPT für die eigene Vorbereitung nutzt, ohne Schülerdaten einzugeben, ist datenschutzrechtlich kaum gefährdet. Sobald aber Schüleraufsätze, Klassenarbeiten oder personenbezogene Informationen ins Tool fließen, wird die Sache rechtlich brisant.

Problem 3: Der Begriff "DSGVO-konform" ist juristisch unklar. Anbieter werben mit "DSGVO-konform", ohne dass es eine offizielle Zertifizierung gibt. Was ein Anbieter darunter versteht, kann von der Bewertung eines Datenschutzbeauftragten abweichen. Auftragsverarbeitungsverträge (AVV; sie regeln, wie ein Anbieter Daten im Auftrag der Schule verarbeitet), Standorte der Subdienstleister und Audit-Berichte sind für die Bewertung relevant. Öffentlich zugänglich sind sie oft nicht.

Dieser Artikel sortiert die Lage. Sie hat sich seit 2025 spürbar entspannt: Alle Bundesländer stellen inzwischen kostenlose Landeslizenzen für KI-Tools an öffentlichen Schulen bereit. In den meisten Ländern läuft das über AIS.chat (bis Mai 2026 unter dem Namen telli bekannt), den ländergemeinsamen KI-Chatbot für Schulen; in einzelnen Ländern über fobizz. Der Artikel zeigt, warum AIS.chat damit die Standard-Empfehlung für den Einsatz mit Schüler:innen ist. Er ordnet ein, wo fobizz, SchulKI und Co. als Alternativen mit mehr Funktionen ihren Platz haben und wie die internationalen Tools zu bewerten sind. Er ersetzt keine juristische Beratung, gibt dir aber eine Orientierung, mit der du gegenüber Schulleitung oder Datenschutzbeauftragung argumentieren kannst.

Die zentrale Unterscheidung: Lehrer-Nutzung vs. Schul-Einsatz

Bevor es um einzelne Tools geht, braucht es eine Unterscheidung: Die rechtliche Bewertung hängt stark vom Einsatzkontext ab.

Szenario A: Lehrkraft nutzt KI für eigene Vorbereitung.

Du gibst keine Schülerdaten ein, sondern arbeitest mit allgemeinen Prompts ("Erstelle ein differenziertes Arbeitsblatt zum Thema X"). Hier ist die Datenschutz-Lage entspannt: Du verarbeitest keine personenbezogenen Daten, also greift die DSGVO kaum. Selbst ChatGPT in der kostenlosen Version ist für diesen Anwendungsfall in der Regel unproblematisch.

Szenario B: Lehrkraft nutzt KI mit Schülerdaten.

Du gibst einen konkreten Schüleraufsatz zur Korrektur ein, fragst nach individueller Förderdiagnose oder lässt KI E-Mails an Eltern formulieren. Jetzt verarbeitest du personenbezogene Daten und brauchst dafür eine rechtliche Grundlage. Diese muss klären: Wer ist Verarbeiter, wer Verantwortlicher, ist ein AVV abgeschlossen, wo werden Daten gespeichert?

Szenario C: Schüler:innen nutzen KI im Unterricht.

Direkter Schülerzugang zu KI-Tools im schulischen Kontext. Hier verlangt die DSGVO eine umfassende Klärung: Einwilligung der Erziehungsberechtigten, eine Datenschutz-Folgenabschätzung (eine systematische Risikoprüfung vor dem Einsatz) und Verträge mit Anbietern. In der Praxis heißt das: Solche Nutzung sollte nur mit Tools erfolgen, die explizit für den schulischen Einsatz konzipiert und vertraglich abgesichert sind. In der Regel ist das die Landeslösung deines Bundeslandes (meist AIS.chat) oder eine schulisch lizenzierte Plattform. Wie du den Umgang von Schüler:innen mit ChatGPT pädagogisch begleitest, zeigt der Artikel ChatGPT im Unterricht.

Diese drei Szenarien liegen der folgenden Bewertung zugrunde.

Die Tools im Überblick

ToolHauptnutzungDSGVO-Status (vereinfacht)
fobizzSchul-Plattform mit KI-IntegrationBeworben als DSGVO-konform, etablierte Schul-Verträge
SchulKISchul-spezifische KI-PlattformBeworben als DSGVO-konform, deutsche Server
AIS.chatLändergemeinsamer KI-Chatbot für Schulen (FWU, DigitalPakt)Kostenlose Landeslizenz in fast allen Bundesländern, öffentliche Trägerschaft
Microsoft Copilot for EducationKI in Schulkontext-LizenzenMit Schul-AVV einsetzbar, US-Konzern
Mistral / Le ChatFranzösisches Modell, EU-AnbieterEU-Server, weniger Schul-Tools
ChatGPT (OpenAI)Bekanntester AnbieterUS-Server, Lehrer-Eigenwert eingeschränkt
Claude (Anthropic)Konkurrent zu ChatGPTUS-Server, ähnliche Lage
Gemini (Google)Im Workspace-ÖkosystemUS-Server, mit Workspace-AVV teilweise abgesichert

1. fobizz — die etablierte Schul-Plattform

Wofür sie steht: fobizz ist eine deutsche Bildungsplattform mit Sitz in Hamburg, gegründet von ehemaligen Lehrkräften. Die Plattform bündelt Fortbildungen, Tools und seit 2023 stark ausgebaute KI-Funktionen, alle speziell für den Schulkontext.

Was sie kann: Über die KI-Funktionen lassen sich Texte erstellen, Bilder generieren und Materialien anpassen. Die frühere KI-Korrekturhilfe und das KI-Feedback-Tool hat fobizz zum August 2026 selbst abgeschaltet. Die Begründung: Sprachmodelle lieferten bei der Bewertung von Texten keine ausreichend zuverlässigen Ergebnisse. Der übrige Funktionsumfang ist im Kern vergleichbar mit ChatGPT, aber in eine schulische Oberfläche eingebettet: mit Unterscheidung zwischen Konten für Lehrkräfte und Schüler:innen, Klassenmanagement und Materialaustausch.

Stärken:

  • Etablierte Marke mit hohem Bekanntheitsgrad in deutschen Lehrerzimmern
  • Beworben als DSGVO-konform mit entsprechenden Verträgen
  • Schulische Oberfläche, nicht generisches KI-Interface
  • Fortbildungs-Komponente integriert

Schwächen:

  • Kostenpflichtig, Lizenzkosten für Schulen liegen teils im vierstelligen Bereich pro Jahr
  • Funktional weniger flexibel als die direkte Nutzung großer KI-Modelle
  • Abhängigkeit von einem Anbieter mit allen Risiken

Wann einsetzen: Wenn deine Schule bereits eine fobizz-Lizenz hat oder in Verhandlungen ist, oder wenn dein Bundesland fobizz als Landeslizenz bereitstellt (wie Rheinland-Pfalz). Für Einzellehrkräfte ist die Plattform meist zu teuer.

Realistische Einordnung: fobizz ist die etablierteste deutsche Antwort auf das KI-Datenschutz-Problem. Die Plattform wirbt aktiv mit DSGVO-Konformität, hat Verträge mit zahlreichen Schulträgern und von Datenschutzbeauftragten geprüfte Strukturen. Für viele Schulen ist fobizz aktuell die naheliegendste Lösung.

2. SchulKI — die schul-spezifische Alternative

Wofür sie steht: SchulKI ist eine deutsche Plattform, die explizit als datenschutz-fokussierte KI-Lösung für Schulen positioniert ist. Anbieter ist die Firma "AI4 GmbH". Die Server stehen in Deutschland, der Fokus liegt ausschließlich auf dem Bildungsbereich.

Was sie kann: Chat-Interface ähnlich ChatGPT, integrierte Werkzeuge für typische Lehrer-Aufgaben (Arbeitsblätter erstellen, Texte differenzieren, Bilder generieren), Schüler-Modi mit Lehrer-Aufsicht.

Stärken:

  • Server explizit in Deutschland
  • Klarer Schul-Fokus, kein generisches Tool
  • Geringere Komplexität als fobizz, was die Einarbeitung erleichtert
  • Preislich oft günstiger als fobizz

Schwächen:

  • Jüngerer Anbieter, weniger etabliert als fobizz
  • Funktionsumfang teils schmaler
  • Community und Material-Bibliothek noch im Aufbau

Wann einsetzen: Als Alternative zu fobizz, wenn der Fokus auf reiner KI-Nutzung statt auf einem Komplettpaket liegt. Auch für einzelne Lehrkräfte oder kleine Schulen oft besser geeignet als fobizz.

Realistische Einordnung: SchulKI ist eine wachsende Alternative im deutschen Markt. Die Plattform spricht direkt das Datenschutz-Bedenken an, das viele Schulen haben. Wer fobizz als zu groß oder zu teuer empfindet, sollte SchulKI evaluieren.

3. AIS.chat — der ländergemeinsame KI-Chatbot für Schulen

Wofür es steht: AIS.chat ist der ländergemeinsame KI-Chatbot für Schulen, betrieben vom FWU (Medieninstitut der Länder) und finanziert über den DigitalPakt. Bis Mai 2026 lief er unter dem Namen telli; die Umbenennung am 20. Mai 2026 hatte markenrechtliche Gründe, Funktionen und Zugänge blieben erhalten. Was als baden-württembergisches Vorhaben begann, ist inzwischen in fast allen Bundesländern etabliert. Die Wege dahin unterscheiden sich: etwa in Baden-Württemberg über SCHULE@BW (seit Oktober 2025), in Niedersachsen über das Medienregal der Niedersächsischen Bildungscloud (seit Februar 2026), in Nordrhein-Westfalen zunächst an Berufskollegs, in Berlin seit Mai 2026. Weitere Länder folgen. Für öffentliche Schulen ist der Zugang über die Landeslizenz kostenfrei.

Was es kann: Chat-Interface mit angebundenen Sprachmodellen (teils europäische, teils internationale Modelle, je nach Konfiguration), klar an den Bildungskontext angepasst, mit einer Datenschutz-Architektur in öffentlicher Trägerschaft. Der Zugang läuft über das VIDIS-System des jeweiligen Bundeslandes, den länderübergreifenden Anmeldedienst für Schulen. Jede:r Nutzer:in hat ein monatliches Tokenvolumen, also ein begrenztes Kontingent an verarbeitetem Text.

Stärken:

  • Öffentliche Trägerschaft (FWU) und Landeslizenzen: der institutionell am besten abgesicherte Zugang
  • Kostenfrei für öffentliche Schulen
  • Inzwischen in fast allen Bundesländern verfügbar, einheitlicher Zugang über VIDIS
  • Ausdrücklich für den Einsatz mit Schüler:innen vorgesehen

Schwächen:

  • Funktional teils eingeschränkter als kommerzielle Alternativen (weniger fertige Lehrer-Werkzeuge, kein Fortbildungs- oder Materialpaket)
  • Monatliches Tokenvolumen pro Nutzer:in begrenzt die Intensivnutzung
  • Performance und Antwortqualität hängen von den jeweils angebundenen Modellen ab
  • Rollout-Stand und Zugangsweg unterscheiden sich noch zwischen den Bundesländern (in NRW z.B. zunächst nur Berufskollegs)

Wann einsetzen: Als Standard für den Einsatz mit Schüler:innen, sobald deine Schule über VIDIS angebunden ist. Prüfe zuerst, ob dein Bundesland AIS.chat oder eine andere Landeslizenz (etwa fobizz in Rheinland-Pfalz) bereitstellt.

Realistische Einordnung: AIS.chat ist die institutionell sicherste Wahl im deutschen Bildungs-KI-Bereich und inzwischen der Regelfall, nicht mehr das Pilotprojekt. Die eigentliche Frage ist nicht mehr, ob du Zugang bekommst, sondern ob der Funktionsumfang für deine Zwecke reicht. Wer mehr fertige Werkzeuge, Materialaustausch oder Fortbildung braucht, findet das bei fobizz oder SchulKI.

4. Microsoft Copilot for Education — die Konzern-Lösung

Wofür es steht: Microsoft bietet im Rahmen seiner Bildungs-Lizenzen (Microsoft 365 Education) eine eigene KI-Variante an, die in Word, Outlook, PowerPoint und Teams integriert ist. Sie ist speziell für den Schulkontext konzipiert, mit gesonderten Datenschutz-Vereinbarungen.

Was es kann: KI-Funktionen direkt in den vertrauten Office-Apps: Texte umformulieren, Präsentationen erstellen, E-Mails entwerfen, Termine zusammenfassen, ohne dass du ein separates KI-Tool öffnen musst.

Stärken:

  • Tiefe Integration in bestehende Office-Workflows
  • Schul-spezifischer AVV verfügbar
  • Hohe Funktionsbreite durch Office-Integration
  • Microsoft hat erhebliche Investitionen in Bildungs-Compliance getätigt

Schwächen:

  • US-Konzern mit allen damit verbundenen rechtlichen Unklarheiten (auch wenn Server in der EU stehen)
  • Teils zusätzliche Lizenzkosten neben der normalen Office-Lizenz
  • Datenschutz-Bewertung im Schulkontext weiterhin uneinheitlich zwischen den Bundesländern
  • Lock-in in das Microsoft-Ökosystem

Wann einsetzen: Wenn deine Schule bereits umfassend mit Microsoft 365 Education arbeitet und der Datenschutzbeauftragte den Einsatz freigegeben hat. Sonst eher zurückhaltend.

Realistische Einordnung: Microsoft hat im Bildungsbereich erhebliche Bemühungen unternommen, datenschutzrechtlich sicher aufzutreten. Das macht Copilot for Education zu einer realistischen Option für Microsoft-Schulen. Trotzdem bleibt die grundsätzliche Skepsis vieler deutscher Datenschutzbeauftragter gegenüber US-Anbietern bestehen.

5. Mistral und Le Chat — die europäische Alternative

Wofür sie stehen: Mistral ist ein französisches KI-Unternehmen, das eigene Sprachmodelle entwickelt und betreibt. Le Chat ist die zugehörige Chat-Anwendung, vergleichbar mit ChatGPT. Die Server stehen in Frankreich, das Unternehmen unterliegt dem EU-Datenschutz.

Was sie können: Funktional ähnlich ChatGPT: Texte erstellen, Fragen beantworten, beim Programmieren helfen. Mistrals Modelle sind technisch konkurrenzfähig, in manchen Anwendungen sogar besser als westliche Konkurrenten.

Stärken:

  • EU-Anbieter mit EU-Servern
  • Datenschutzrechtlich deutlich entspannter als US-Alternativen
  • Technisch leistungsfähige Modelle
  • Open-Source-Modelle teilweise verfügbar (für Self-Hosting, also den Betrieb auf eigenen Servern)

Schwächen:

  • Keine spezifische Schul-Plattform, sondern ein generisches KI-Tool
  • Weniger fertige Bildungs-Materialien und Lehrer-Vorlagen
  • Englisch-Schwerpunkt im Training, deutsche Texte teils schwächer als bei spezialisierten Anbietern
  • Geringere Bekanntheit, weniger Community

Wann einsetzen: Als datenschutzrechtlich sichere Alternative zu ChatGPT, wenn keine spezifische Schul-Plattform nötig ist. Besonders interessant für Lehrkräfte, die KI bewusst aus europäischer Hand nutzen wollen.

Realistische Einordnung: Mistral ist die seriöseste europäische Antwort auf den US-KI-Markt. Für Lehrkräfte, die bewusst datenschutz-orientiert wählen, eine sehr gute Option. Für Schul-Plattformen mit Schüler-Konten weniger geeignet.

6. ChatGPT, Claude, Gemini — die internationalen Tools ehrlich eingeordnet

Diese drei Tools dominieren den globalen KI-Markt, sind in Deutschland aber datenschutzrechtlich nicht unproblematisch.

ChatGPT (OpenAI): Server in den USA. Die kostenlose Version verarbeitet Eingaben für Modell-Training (außer bei Opt-Out). Die kostenpflichtige Version (ChatGPT Plus) und die Business-Versionen bieten besseren Datenschutz, verarbeiten Daten aber ebenfalls in den USA. OpenAI bietet inzwischen Schul-Verträge an, die aber individuell ausgehandelt werden müssen.

Für eigene Vorbereitung ohne Schülerdaten ist ChatGPT pragmatisch nutzbar. Für den schulischen Einsatz ohne ausgehandelten Vertrag bleibt es rechtlich riskant.

Claude (Anthropic): Server in den USA. Anthropic positioniert sich stark mit Sicherheits- und Datenschutz-Standards, was die Bewertung im Vergleich zu ChatGPT in manchen Aspekten besser macht. Die Pro-Version verspricht, Eingaben nicht für das Modell-Training zu nutzen. Spezielle Schul-Programme sind im Aufbau.

Datenschutzrechtlich ähnliche Lage wie ChatGPT: für Lehrer-Eigennutzung pragmatisch, für Schul-Einsatz ohne expliziten Vertrag riskant.

Gemini (Google): Die Server-Standorte unterscheiden sich je nach Account-Typ. Für Nutzer:innen von Google Workspace for Education mit entsprechendem AVV ist die Lage teils sicherer als bei ChatGPT. Aber: Google ist ein US-Konzern und unterliegt US-Behörden-Anfragen.

Wer bereits mit Workspace arbeitet, hat hier eine realistisch nutzbare Option; ohne Workspace ist Gemini vergleichbar problematisch wie die anderen US-Tools.

Gemeinsame Empfehlung für alle drei: Für persönliche Vorbereitung ohne personenbezogene Daten unproblematisch nutzbar. Für direkten Schülereinsatz ohne ausgehandelten Schul-Vertrag rechtlich kritisch. Wer rechtssicher in der Schule arbeiten will, sollte zuerst die Landeslösung des eigenen Bundeslandes (meist AIS.chat) und dann die deutschen Plattformen prüfen.

Meine Empfehlung nach Einsatzszenario

Für rechtssicheren schulweiten Einsatz mit Schüler-Konten: AIS.chat über die Landeslizenz deines Bundeslandes: Das ist inzwischen die Standard-Empfehlung. fobizz oder SchulKI mit ausgehandelten Verträgen, wenn du mehr Funktionen brauchst oder dein Bundesland (wie Rheinland-Pfalz) ohnehin fobizz lizenziert hat. Alle drei sind speziell für den Schulkontext aufgebaut und haben die nötigen Verträge.

Für die Lehrkraft, die KI für die eigene Vorbereitung nutzt: Pragmatisch funktioniert hier auch ChatGPT, Claude, Gemini oder Le Chat, solange keine personenbezogenen Schülerdaten ins Tool fließen. Wer bewusst datenschutz-orientiert arbeiten will, wählt Mistral oder eine deutsche Plattform.

Für Schulen mit Microsoft-Infrastruktur: Microsoft Copilot for Education kann eine pragmatische Lösung sein, sofern die Schul-Compliance es zulässt. Prüfe die Datenschutz-Bewertung des eigenen Bundeslandes.

Für Schulen, die heute beginnen wollen: Kläre erst mit Schulleitung und Datenschutzbeauftragung, was rechtlich tragbar ist. Aktiviere dann den VIDIS-Zugang zur Landeslösung (meist AIS.chat) und prüfe ergänzend, ob eine der kommerziellen deutschen Plattformen nötig ist. Eine 4-wöchige Testphase mit einer Lehrergruppe ist oft sinnvoller als eine sofortige flächendeckende Einführung.

Was Schulen jetzt tun sollten

Wenn du in einer Schulleitung oder Steuergruppe sitzt, stehen drei konkrete Schritte an.

Erstens: Bestandsaufnahme. Welche KI-Tools nutzen Lehrkräfte aktuell, offiziell und inoffiziell? Welche werden für was eingesetzt? Diese Bestandsaufnahme zeigt oft, dass die Praxis längst weiter ist als die schriftliche Regelung.

Zweitens: Rahmenklärung mit Datenschutzbeauftragung. Welche Tools sind aus Sicht der Datenschutzbeauftragten unter welchen Bedingungen nutzbar? Diese Klärung ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

Drittens: Pilot-Projekt mit ausgewählter Plattform. Statt sofort schulweite Lizenzen zu kaufen, testet eine Lehrergruppe drei bis sechs Monate. Dann entscheidet die Schule auf Basis konkreter Erfahrungen.

Die Frage ist nicht, ob KI in die Schule kommt — sie ist längst da. Die Frage ist, wie strukturiert und rechtssicher der Einsatz organisiert wird.

Häufige Fragen

Darf ich als Lehrkraft ChatGPT für die Vorbereitung nutzen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen?

Solange du keine personenbezogenen Schülerdaten eingibst, ist die Nutzung datenschutzrechtlich kaum problematisch. Achte aber auf urheberrechtliche Aspekte (KI-generierte Texte sollten als solche kenntlich sein, wenn du sie weitergibst) und auf die Qualität, denn KI halluziniert regelmäßig.

Welches Tool ist insgesamt das beste für Lehrkräfte?

"Das beste Tool" gibt es nicht: Es hängt vom Einsatzkontext ab. Für eigene Vorbereitung ohne Datenschutz-Sorgen reichen ChatGPT oder Claude. Für den Einsatz mit Schüler:innen: AIS.chat über die Landeslizenz, alternativ fobizz oder SchulKI. Für eine bewusst europäische Wahl: Mistral.

Was passiert, wenn meine Schule KI verbietet, ich aber trotzdem ChatGPT nutze?

Wenn keine personenbezogenen Daten betroffen sind, ist das eher eine arbeitsrechtliche als eine datenschutzrechtliche Frage. Trotzdem solltest du ein Verbot der Schulleitung respektieren, bis es offiziell überarbeitet wird. Wer die Richtlinien ändern will, sollte konstruktiv mit Schulleitung und Datenschutzbeauftragung sprechen.

Wie bewerte ich, ob ein neues KI-Tool wirklich DSGVO-konform ist?

Drei Kriterien geben Hinweise: der Server-Standort (idealerweise in Deutschland oder der EU), ein verfügbarer Auftragsverarbeitungsvertrag und transparente Informationen zu Subdienstleistern. Für eine endgültige Bewertung ist die schulische Datenschutzbeauftragung zuständig. Bleib im Zweifel zurückhaltend.

Sollte ich AIS.chat nutzen oder mit fobizz starten?

Wenn dein Bundesland AIS.chat bereitstellt — und das ist inzwischen in fast allen der Fall —, spricht wenig dafür zu warten: Der Zugang über VIDIS ist kostenlos und institutionell abgesichert. fobizz oder SchulKI lohnen sich zusätzlich, wenn du fertige Werkzeuge, Materialaustausch oder Fortbildungen brauchst, oder wenn dein Bundesland (wie Rheinland-Pfalz) ohnehin eine fobizz-Landeslizenz hat.

Sind die Open-Source-Modelle (z.B. von Mistral) eine echte Alternative?

Für Schulen mit eigener IT-Infrastruktur und entsprechendem Know-how ja: Self-Hosting bietet maximale Datenschutz-Kontrolle. Für viele Schulen ist das praktisch nicht umsetzbar, weil die nötige Infrastruktur und Wartung fehlt.