Unterrichtshelden

Svoboda 1945: Liberation

Vertreibung, Enteignung, Verdrängung — Nachkriegsgeschichte im Grenzland

gameBezahlt
Sekundarstufe ISekundarstufe IIGeschichtePhilosophieEthik

Der Nachfolger von Attentat 1942, ebenfalls von Charles Games: Die Spielenden erben eine verfallene Schule im tschechischen Grenzland und rekonstruieren über gefilmte Zeitzeugengespräche, was dort 1945 geschah — Kriegsende, Vertreibung der deutschen Bevölkerung, kommunistische Enteignung. Deutsche Untertitel, USK 12, drei bis vier Stunden.

Perfekt für

Perfekt für die Oberstufe, wenn Vertreibung und Nachkriegsordnung multiperspektivisch erarbeitet werden sollen — arbeitsteilig, nicht als Klassenspielstunde.

Stärken

  • Multiperspektivische Quellen zu einem im Unterricht meist einseitig erzählten Thema
  • Widersprüche werden nicht aufgelöst — ideal für kontroverse Oberstufenarbeit
  • Deutsche Untertitel, USK 12
  • In Abschnitten und arbeitsteilig einsetzbar

Schwächen

  • 3–4 Stunden Spielzeit — vollständiges Durchspielen im Unterricht unrealistisch
  • Braucht Vorwissen zur Besatzungszeit, sonst droht Aufrechnungslogik
  • Kaufspiel ohne erkennbare Schullizenz
  • Sprachausgabe Tschechisch, hoher Leseanteil

Typische Einsatzszenarien

  • Oberstufe Geschichte: Kriegsende, Vertreibung, Nachkriegsordnung in Ostmitteleuropa
  • Arbeitsteilige Gruppenarbeit: je Gruppe ein Zeitzeugenstrang, dann Zusammenführung
  • Facharbeit oder Seminarfach zur Erinnerungskultur
  • Fächerverbindend mit Ethik: Schuld, Rache, Verantwortung nach dem Krieg
Ausführlicher Testbericht

Svoboda 1945 behandelt einen Stoff, den der deutsche Geschichtsunterricht meist nur aus einer Richtung erzählt: Flucht und Vertreibung. Das Spiel erzählt ihn aus dem Ort, an dem beides zusammentraf — ein Dorf in den ehemaligen Sudetengebieten, in dem tschechische Rückkehrer, deutsche Vertriebene und später kommunistische Kollektivierung aufeinanderfolgten. Die bpb ordnet es als „interaktive Quellensammlung“ ein, und das trifft es: Der spielerische Anteil ist gering, das Material ist der Punkt.

Didaktisch ist die Multiperspektivität der eigentliche Gewinn. Dieselben Ereignisse werden von verschiedenen Personen unvereinbar erinnert, und das Spiel löst diese Widersprüche nicht auf. Für die Oberstufe ist das ein Steilpass: Kontroversität ist kein Mangel der Quellenlage, sondern ihr Normalfall. Wer die Vertreibung der Deutschen behandelt, ohne die vorangegangene Besatzung mitzudenken — und umgekehrt —, bekommt vom Spiel selbst Gegenmaterial geliefert. Genau deshalb braucht es Rahmung: Ohne Vorwissen zur Besatzungszeit fehlt der Bezugspunkt, und Schüler:innen können in eine Aufrechnungslogik geraten („die einen, die anderen“), die historisch nicht trägt. Die Nachbereitung sollte deshalb die Chronologie und die Frage nach Verantwortung explizit sortieren.

Die Grenze zum Unterricht liegt auch hier im Umfang. Drei bis vier Stunden Spielzeit sind für eine Unterrichtsreihe viel; das Spiel lässt sich aber in Abschnitten spielen, und einzelne Interviewstränge funktionieren als Quellenkonvolut für Gruppenarbeit. Sinnvoller als das vollständige Durchspielen ist meist, arbeitsteilig verschiedene Zeitzeugen zu bearbeiten und die Ergebnisse zusammenzutragen — dann wird die Widersprüchlichkeit im Klassengespräch selbst produziert statt nacherzählt.

Datenschutz: Einzelspieler ohne Konto, offline spielbar, keine Datenerhebung durch das Spiel. Es gelten die Bedingungen der Plattform.

Anwendungsbeispiel

Ein möglicher Einsatz ist eine arbeitsteilige Gruppenarbeit in einem Geschichtskurs der Oberstufe: Jede Gruppe bearbeitet einen Zeitzeugenstrang (ein bis zwei Stunden) und fasst dessen Darstellung der Ereignisse von 1945 zusammen; anschließend werden die Fassungen nebeneinandergelegt — Leitfrage: An welchen Punkten widersprechen sich die Erinnerungen, und lässt sich entscheiden, welche stimmt?

Denkbar ist außerdem der Einsatz im Seminarfach zur Erinnerungskultur, bei dem die Klasse untersucht, wie das Spiel Vertreibung, Besatzung und Enteignung chronologisch anordnet und welche Wertung in dieser Anordnung bereits steckt.

Altersfreigabe

USK 12; bpb empfiehlt ab 14 Jahren beziehungsweise ab Klasse 9.

Zeitbedarf im Unterricht

3–4 Stunden Spielzeit (bpb). Für den Unterricht: arbeitsteilig 1–2 Stunden je Gruppe plus 1 Stunde Zusammenführung, oder als freiwillige Vor- und Nacharbeit zu Hause.

Preismodell (Quelle)

Steam regulär 13,99 € (Quelle: Steam-Store-API, cc=de, abgerufen 09.09.2026). Auch für App Store, itch.io und Nintendo Switch verfügbar (Quelle: https://svoboda1945.com/); dortige Preise nicht abgerufen.

DSGVO-Einordnung

Keine DSGVO-Werbeaussage. Einzelspieler ohne Spielkonto, offline spielbar; es gelten die Datenschutzbedingungen der Vertriebsplattform. Auf verwalteten Schulgeräten unproblematisch.

Quellen

Screenshots

Screenshots folgen.

Technische Details
Preismodell
Bezahlt
Datenschutz

Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.

Server-Standort
Unbekannt
Offline nutzbar
Ja
Für welche Fächer und Schulformen

Schulformen

sek1sek2

Fächer

GeschichtePhilosophieEthik

Alternativen

Attentat 1942

Zeitzeugen-Interviews als Adventure — NS-Besatzung aus der Perspektive einer Familie

Bezahlt

Mission US

Kostenlose Geschichts-Rollenspiele zu Schlüsselmomenten der US-Geschichte

Kostenlos

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