Unterrichtshelden

Bad News

Selbst zum Fake-News-Mogul werden — Desinformation durch Nachbauen durchschauen

gameKostenlos
Sekundarstufe ISekundarstufe IIDeutschPolitik

Ein kostenloses Browserspiel der niederländischen Organisation DROG und der University of Cambridge: Die Spielenden bauen ein eigenes Desinformations-Imperium auf und lernen dabei sechs Manipulationstechniken — Identitätsfälschung, Emotionalisierung, Polarisierung, Verschwörungserzählung, Diskreditierung, Trolling. Deutsche Fassung, 15 bis 20 Minuten, ohne Anmeldung. > **Achtung Domain:** Die deutsche Version läuft unter **getbadnews.com/de**. Die früher verbreitete Adresse **getbadnews.de gehört nicht mehr zum Projekt** — dort liegt inzwischen ein themenfremdes Werbeportal. Ältere Linksammlungen und Handreichungen verweisen teilweise noch dorthin.

Perfekt für

Perfekt für den Einstieg in eine Einheit zu Desinformation ab Klasse 8 — kurz genug für eine Einzelstunde, mit anschließendem Transfer auf echtes Material.

Stärken

  • Kostenlos, ohne Anmeldung, deutsche Fassung, 15–20 Minuten
  • Theoretisch fundiert (Inokulationstheorie) und empirisch untersucht
  • Aktives Anwenden der Techniken statt passivem Faktencheck-Training
  • Umfangreiches deutsches Begleitmaterial (bpb, LISUM, Games im Unterricht)

Schwächen

  • Ohne Nachbereitung bleibt der Eindruck, Manipulation sei ein Spaß
  • Eingebettete Forschungsbefragung ist für Spielende nicht klar erkennbar (bpb-Kritik)
  • Keine Datenschutzerklärung auffindbar, Serverstandort unbekannt
  • Nur online spielbar; alte Linksammlungen führen auf eine gekaperte Domain

Typische Einsatzszenarien

  • Medienbildung Klasse 8–10: Manipulationstechniken erkennen
  • Deutsch: Sprache der Manipulation, Textsortenvergleich sachlich vs. emotionalisiert
  • Politik/Gemeinschaftskunde: Meinungsbildung und Desinformation
  • Projekttag Medienkompetenz gemeinsam mit Harmony Square und Fake It To Make It
Ausführlicher Testbericht

Bad News ist das am besten beforschte Serious Game im Bereich Medienkompetenz, und es ist eines der wenigen, deren Wirkprinzip aus der Psychologie stammt statt aus der Spielgestaltung. Grundlage ist die Inokulationstheorie: Wer eine abgeschwächte Dosis eines Manipulationsversuchs erlebt und ihn durchschaut, entwickelt eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen spätere echte Versuche — analog zur Impfung. Statt Faktenchecks im Nachhinein zu üben, lässt das Spiel die Techniken selbst anwenden. Die Spielenden gründen eine Fake-Persona, kapern einen Hashtag, streuen eine Verschwörungserzählung und balancieren dabei Reichweite gegen Glaubwürdigkeit.

Die Studienlage stützt das Vorgehen, wenn auch mit Einschränkungen. Roozenbeek und van der Linden berichteten 2019 in Palgrave Communications, dass die Teilnehmenden nach dem Spielen manipulative Tweets als weniger verlässlich einstuften, mit Effektstärken um d = 0,3 bis 0,4 je Technik — unabhängig von Bildung, Alter und politischer Orientierung. Zu benennen ist allerdings, dass es sich um eine Vorher-Nachher-Messung an einer selbstselektierten Online-Stichprobe ohne Kontrollgruppe handelt; spätere randomisierte Studien der Gruppe fallen differenzierter aus, und die Frage, wie lange der Effekt anhält, ist damit nicht beantwortet.

Für den Unterricht ist der Zuschnitt fast ideal: 15 bis 20 Minuten, Browser, keine Konten, keine Installation, kostenlos. Die Grenze liegt in der Nachbereitung. Ohne sie bleibt der Eindruck „Fake News machen ist lustig“ — das Spiel arbeitet mit Ironie und belohnt Manipulation mit Punkten. Der Transfer entsteht erst, wenn die sechs Techniken anschließend an echten Beispielen wiedergefunden werden, idealerweise an aktuellem Material aus dem eigenen Feed der Klasse. Ein zweiter Punkt, den die bpb kritisch anmerkt: In das Spiel ist eine Forschungsbefragung eingebettet, die für Spielende nicht klar als solche erkennbar ist. Darauf sollte man die Klasse vorher hinweisen; die Angaben sind freiwillig.

Datenschutz: Keine Anmeldung nötig, keine personenbezogenen Angaben erforderlich. Eine Datenschutzerklärung des Anbieters ließ sich nicht abrufen, ein Serverstandort ist nicht dokumentiert — das Spiel setzt Cookies und erhebt die Antworten der eingebetteten Befragung für Forschungszwecke.

Anwendungsbeispiel

Vorstellbar ist eine Einzelstunde Medienbildung ab Klasse 8: Die Klasse spielt in Partnerarbeit die deutsche Fassung im Browser (15–20 Minuten) und notiert die sechs erworbenen Abzeichen mit je einem Satz Erklärung; anschließend bringt die Lehrkraft echte Social-Media-Beiträge mit, in denen die Klasse die Techniken wiedererkennen und benennen soll.

Denkbar ist außerdem eine Fortsetzung als Schreibauftrag im Deutschunterricht: Die Klasse formuliert zu einer harmlosen Schulmeldung zwei Versionen — eine sachliche und eine, die drei der gelernten Techniken einsetzt — und diskutiert anschließend, woran die manipulierte Fassung erkennbar bleibt.

Altersfreigabe

Keine USK-/PEGI-Einstufung (Browserspiel). Die Macher empfehlen ab 14 Jahren; eine englischsprachige Junior-Version richtet sich an Kinder ab 8 Jahren.

Zeitbedarf im Unterricht

Spielzeit 15–20 Minuten. Eine Einzelstunde reicht für Spiel und erste Auswertung; für den Transfer auf echtes Material eine zweite Stunde einplanen.

Preismodell (Quelle)

Kostenlos, laut Anbieter frei nutzbar für nicht-kommerzielle Zwecke (Quelle: https://www.sdmlab.psychol.cam.ac.uk/research/bad-news-game, abgerufen 09.09.2026). Keine Lizenz nötig.

DSGVO-Einordnung

Keine DSGVO-Werbeaussage. Keine Anmeldung, keine personenbezogenen Pflichtangaben; die eingebettete Befragung erhebt Antworten zu Forschungszwecken und ist freiwillig. Datenschutzerklärung nicht auffindbar, Serverstandort nicht dokumentiert. Einsatz ohne Eingabe personenbezogener Daten unproblematisch.

Quellen

Screenshots

Screenshots folgen.

Technische Details
Preismodell
Kostenlos
Datenschutz

Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.

Server-Standort
Unbekannt
Offline nutzbar
Nein
Für welche Fächer und Schulformen

Schulformen

sek1sek2

Fächer

DeutschPolitik

Alternativen

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