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Trolley-Problem für autonome Autos — Dilemmata entscheiden und mit der Welt vergleichen
Ein kostenloses Online-Experiment des MIT Media Lab: Die Nutzenden entscheiden in 13 Szenarien, wie ein autonomes Fahrzeug mit einem unvermeidlichen Unfall umgehen soll — wen es verschont und wen nicht. Am Ende wird das eigene Entscheidungsmuster ausgewertet und mit dem anderer Teilnehmender verglichen. Deutsche Oberfläche, rund 10 bis 15 Minuten.
Perfekt für Ethik und Philosophie ab Klasse 9, wenn das Trolley-Problem nicht als Text, sondern als eigene Entscheidungsserie mit anschließender Selbstkonfrontation behandelt werden soll.
Moral Machine ist streng genommen kein Spiel, sondern ein wissenschaftliches Erhebungsinstrument, das sich als Spiel anfühlt — und genau das macht es für den Ethikunterricht wertvoll. Das Trolley-Problem wird traditionell als Gedankenexperiment im Text besprochen; hier entscheiden die Lernenden fünfzehn Mal hintereinander unter Zeitdruck und bekommen anschließend ihr eigenes Muster gespiegelt: Sie haben junge Menschen bevorzugt, Männer benachteiligt, Regelbrecher bestraft. Diese Rückmeldung ist der didaktische Kern. Sie konfrontiert die Klasse mit impliziten Wertungen, die niemand vorher zugegeben hätte.
Fachdidaktisch schließt das an mehrere Stellen an. In der Ethik an die Frage, ob Menschenleben überhaupt gegeneinander abgewogen werden dürfen — das deutsche Grundgesetz und die Rechtsprechung zum Luftsicherheitsgesetz sagen dazu etwas anderes als die Spiellogik, was ein hervorragender Reibungspunkt ist. In der Informatik an die Frage, wie normative Entscheidungen in Systeme gelangen und wer sie trifft. Die zugehörige Studie von Awad und Kollegen erschien 2018 in Nature: rund 40 Millionen Entscheidungen aus 233 Ländern, mit weltweit stabilen Präferenzen (Menschen vor Tieren, mehr Leben vor weniger, jung vor alt) und drei kulturell unterscheidbaren Clustern. Für die Oberstufe ist gerade dieser Befund diskussionswürdig — aus der Häufigkeit einer Präferenz folgt nicht ihre Richtigkeit, und das Spiel legt genau diesen Fehlschluss nahe.
Die Grenze ist deshalb klar zu ziehen: Moral Machine liefert Meinungsdaten, keine Ethik. Wer es ohne Nachbereitung einsetzt, unterrichtet unabsichtlich einen naturalistischen Fehlschluss. Die Nachbereitung sollte den Unterschied zwischen deskriptiver Erhebung und normativer Begründung explizit machen — das ist anspruchsvoll, aber genau die Kompetenz, um die es im Ethikunterricht der Oberstufe geht. Praktisch ist die Nutzung unkompliziert: Browser, kein Konto, deutsche Oberfläche, 10 bis 15 Minuten.
Datenschutz: Jede Entscheidung wird für Forschungszwecke gespeichert; im Anschluss folgt eine freiwillige Befragung zu Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung sowie politischer und religiöser Einstellung. Diese Befragung sollte im Unterricht übersprungen werden. Eine Datenschutzerklärung war auf der Seite nicht auffindbar; Betreiber ist das MIT (USA).
Ein Einsatzszenario ist eine Doppelstunde Ethik oder Werte und Normen ab Klasse 9: Alle durchlaufen einzeln die 13 Szenarien (ohne die anschließende freiwillige Befragung auszufüllen) und notieren ihr Auswertungsprofil; im Plenum werden die Profile verglichen und die Frage gestellt, welche der sichtbar gewordenen Präferenzen sich überhaupt begründen lassen.
Denkbar ist außerdem eine Anschlussstunde, in der die Klasse die Spiellogik mit der deutschen Rechtslage konfrontiert — dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Luftsicherheitsgesetz und der Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes — und daraus ableitet, warum ein in Deutschland zugelassenes Fahrzeug so gar nicht entscheiden dürfte.
Keine formale Einstufung und keine Altersempfehlung der Betreiber. Deutschsprachiges Begleitmaterial richtet sich an die Oberstufe beziehungsweise ab der 12. Schulstufe.
10–15 Minuten für einen Durchlauf mit 13 Szenarien. Mit Auswertung und Diskussion eine Doppelstunde.
Kostenlos, keine Anmeldung, keine Lizenz (Quelle: https://www.moralmachine.net/, abgerufen 09.09.2026).
Keine DSGVO-Werbeaussage; auf der Seite war keine Datenschutzerklärung auffindbar. Betreiber ist das MIT Media Lab (USA), Hosting entsprechend in den USA. Alle Entscheidungen werden für Forschungszwecke gespeichert; die anschließende demografische Befragung ist freiwillig und erhebt sensible Angaben (unter anderem politische und religiöse Einstellung) — im Unterricht überspringen. Ohne diese Befragung fallen keine personenbezogenen Daten an.
Screenshots folgen.
Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.
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