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Tool-Vergleiche

Padlet Alternative kostenlos: 5 Tools im Vergleich für den Unterricht

Server in Deutschland oder Europa, funktional, ohne versteckte Paywall

10 Min. Lesezeit
Sekundarstufe IAlle Fächer

Warum die Suche nach Padlet-Alternativen zugenommen hat

Padlet war lange der Goldstandard unter den digitalen Pinnwänden im deutschen Klassenzimmer: einfach zu bedienen, optisch ansprechend, flexibel einsetzbar für fast jede kollaborative Aufgabe. Bis 2023.

Seitdem ist die Lage anders. Padlet hat seine kostenlose Version auf drei aktive Pinnwände pro Lehrkraft beschränkt. Wer mehr möchte oder in verschiedenen Klassen unterschiedliche Padlets parallel nutzt, landet in der Pro-Version für aktuell etwa 7 Euro im Monat. Auf zwölf Monate gerechnet sind das rund 80 Euro. Bei mehreren Fachlehrkräften pro Klasse vervielfacht sich der Betrag.

Dazu kommt die Datenschutz-Dimension. Padlet betreibt seine Server in den USA. Das war schon vor Schrems II problematisch, also vor dem EuGH-Urteil von 2020, das den damaligen Angemessenheitsbeschluss für Datenübermittlungen in die USA kippte. Auch das nachfolgende EU-US Data Privacy Framework beruhigt viele Datenschutzbeauftragte in deutschen Schulen nicht vollständig. Mehrere Kultusministerien legen in ihren Empfehlungen zu digitalen Tools den Umstieg auf europäische Alternativen nahe.

Viele Lehrkräfte suchen deshalb nach Ersatz. Dieser Artikel stellt fünf kostenlose Alternativen vor, sortiert nicht alphabetisch, sondern nach dem Anwendungsfall, den du damit abdecken willst.

Die Entscheidungshilfe: Welchen Anwendungsfall hast du?

Wer es eilig hat, findet die Zuordnung zuerst in Kurzform:

Dein EinsatzszenarioPassende Alternative
Klassische Padlet-Ersatz-Pinnwand, Server in DeutschlandTaskCards
Kollaborative Notizen und Dokumente, Open SourceCryptpad
Aufgaben- und Projektplanung mit Schüler:innenTrello
Komplexes visuelles Arbeiten, WhiteboardingMiro (mit Einschränkungen)
Schneller, unaufgeregter kollaborativer TextZumpad / Etherpad

1. TaskCards — die deutsche Antwort mit Servern in Deutschland

Wofür es steht: TaskCards ist das Tool, das die meisten deutschen Lehrkräfte im Blick haben, wenn sie nach einer DSGVO-konformen Padlet-Alternative suchen. Entwickelt vom deutschen Anbieter dSign Systems, gehostet auf Servern in Deutschland, explizit für den Bildungsbereich konzipiert.

Was es kann: Digitale Pinnwände mit Kacheln ("Karten"), die Text, Bilder, Videos, Audios, Links und Dateien enthalten können. Mehrere Ansichten (Wand, Tafel, Timeline, Karte). Kollaboratives Arbeiten in Echtzeit. Rechte-Management pro Pinnwand (lesen, schreiben, moderieren). Export und Druck möglich.

Stärken:

  • Server in Deutschland, DSGVO-konform nach Einschätzung vieler Datenschutzbeauftragter
  • Komplett auf Deutsch, auch der Support
  • Keine Werbung, keine Tracker
  • Schüler:innen brauchen keinen Account
  • Funktionsumfang deckt schätzungsweise den weit überwiegenden Teil der typischen Padlet-Nutzung ab

Schwächen:

  • Die kostenlose Version ist für einzelne Lehrkräfte begrenzt nutzbar; viele Schulen lizenzieren als Kollegium
  • Das UI wirkt für manche minimal weniger poliert als Padlet
  • Kleinere Vorlagen-Bibliothek als Padlet

Kostensituation: TaskCards hat verschiedene Modelle. Für einzelne Lehrkräfte gibt es eine kostenlose Basis-Version mit begrenzter Pinnwand-Zahl. Für Schulen existieren vergleichsweise günstige Kollegiums-Lizenzen. Viele Schulträger kaufen TaskCards inzwischen zentral ein.

Wann einsetzen: Immer dann, wenn du Padlet früher für das klassische Sammeln, Austauschen und Präsentieren genutzt hast. Das dürfte die große Mehrheit der Anwendungsfälle abdecken: Brainstormings, Sammlungen von Rechercheergebnissen, digitale Lernplakate, strukturierte Ideen-Wände, Stunden-Reflexionen.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive: TaskCards liegt funktional so nah an Padlet, dass der Wechsel für Schüler:innen wie Lehrkräfte in wenigen Minuten machbar ist. Das ist ein unterschätzter Vorteil. Bei neuen Tools geht regelmäßig Unterrichtszeit für die Eingewöhnung verloren, also für sogenannte sachfremde kognitive Belastung. TaskCards hält diesen Anteil klein.

2. Cryptpad — Open Source und datenschutz-fokussiert

Wofür es steht: Cryptpad ist ein Open-Source-Projekt, entwickelt in Frankreich, mit einem klaren Fokus: Datenschutz und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Statt einer einzelnen Padlet-ähnlichen Ansicht bietet es mehrere kollaborative Formate: Dokumente, Tabellen, Präsentationen, Umfragen, Kanban-Boards, Whiteboards.

Was es kann: Kollaborative Echtzeitbearbeitung in fast allen Formaten. Die zentrale Besonderheit liegt in der Verschlüsselung: Die Daten werden bereits im Browser verschlüsselt, bevor sie den Server erreichen. Selbst der Betreiber kann die Inhalte nicht lesen. Dieses Niveau erreichen nur wenige kommerzielle Anbieter.

Stärken:

  • Open Source, kostenlos, selbst hostbar
  • Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, also Lesbarkeit ausschließlich auf den Geräten der Beteiligten
  • Breite Formatauswahl in einem Tool
  • Keine Werbung, keine Tracker, keine kommerziellen Interessen

Schwächen:

  • UI ist funktional, aber weniger visuell ansprechend als Padlet oder TaskCards
  • Die öffentlich gehostete Version (cryptpad.fr) hat Speicher-Limits
  • Weniger intuitiv für Schüler:innen, die Padlet-ähnliche Optik erwarten
  • Die Whiteboard-Funktion ist rudimentärer als bei Miro oder Mural

Wann einsetzen: Wenn Datenschutz das Primärkriterium ist, etwa bei Themen, zu denen Schüler:innen Persönliches beitragen. Oder wenn du strukturierte kollaborative Dokumente brauchst, also gemeinsames Schreiben, Umfragen mit Auswertung oder kleine Präsentationen, und dafür ein einzelnes Werkzeug suchst.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive: An Cryptpad lässt sich Ende-zu-Ende-Verschlüsselung erklären, ein Konzept, das in den Lehrplänen zur Medienkompetenz auftaucht und dort meist abstrakt bleibt. Hier erleben Schüler:innen das Prinzip an einem Werkzeug, mit dem sie ohnehin arbeiten.

3. Trello — für echte Projektarbeit

Wofür es steht: Trello ist streng genommen kein Padlet-Ersatz, sondern eine Plattform für Kanban, also für die Steuerung von Arbeit über sichtbare Aufgabenkarten und Bearbeitungsstufen. Für bestimmte Unterrichtsszenarien ist es Padlet überlegen, besonders bei strukturierter Aufgabenverfolgung.

Was es kann: Boards mit Spalten (typisch: "To Do", "In Arbeit", "Erledigt"). In jeder Spalte Karten mit Aufgaben, die Schüler:innen hin- und herschieben können. Jede Karte kann Beschreibung, Checklisten, Anhänge, Fristen, Zuweisungen zu Teammitgliedern enthalten.

Stärken:

  • Kostenlose Version sehr umfangreich (10 Boards pro Workspace in der kostenlosen Version ausreichend)
  • Bewährtes Konzept aus der Arbeitswelt; Schüler:innen lernen eine Methode, die sie im Berufsleben wiedertreffen
  • Mobile App gut nutzbar
  • Mächtige Automatisierungs-Funktionen auch in der kostenlosen Version

Schwächen:

  • Server in den USA (Atlassian-Konzern), DSGVO-Einordnung ähnlich problematisch wie Padlet
  • Für reine Pinnwand-Nutzung überdimensioniert
  • Benutzeroberfläche größtenteils Englisch

Wann einsetzen: Für längerfristige Projektarbeit über mehrere Wochen: Gruppenarbeit zu einem Rechercheauftrag, Organisation eines Klassen-Events, Aufgabenverteilung bei einer Schülerzeitung. Überall dort, wo Aufgaben einen Fortschrittsstatus haben und Verantwortlichkeiten klar sein müssen.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive: Die Kanban-Methode stammt aus dem agilen Projektmanagement. Sie trainiert Selbstorganisation und Metakognition, also das Nachdenken über das eigene Vorgehen: Schüler:innen müssen benennen, woran sie gerade arbeiten und was als Nächstes ansteht. Diese Kompetenzen reichen weit über das Fachthema hinaus.

4. Miro — das Whiteboard für komplexere Szenarien

Wofür es steht: Miro ist ein professionelles digitales Whiteboard, in Unternehmen weit verbreitet. Für schulische Zwecke ist es in Teilen überdimensioniert. Für einige komplexere Anwendungen bleibt es trotzdem das stärkste Werkzeug im Feld.

Was es kann: Praktisch unbegrenzt große Leinwände, auf denen Schüler:innen gemeinsam zeichnen, Notizen platzieren, Mindmaps erstellen, Diagramme bauen und strukturierte Vorlagen nutzen. Die Bibliothek umfasst Hunderte fertiger Vorlagen, von der Mindmap bis zur Retrospektive.

Stärken:

  • Enorm mächtig und flexibel
  • Umfangreiche Vorlagen-Bibliothek spart Vorbereitungszeit
  • Kollaboration in Echtzeit mit sichtbaren Cursorn der Teilnehmenden, was die Gruppendynamik spürbar trägt
  • Gute Sprach- und Videokonferenz-Integration

Schwächen:

  • Kostenlose Version auf 3 editierbare Boards pro Account limitiert
  • Server in den USA
  • Steile Lernkurve für Lehrkraft und Schüler:innen
  • UI primär auf Englisch
  • Auf kleinen Bildschirmen unübersichtlich

Wann einsetzen: Für visuell komplexere Aufgaben, bei denen eine normale Pinnwand zu klein wird. Beispiele: eine Zeitleiste mit vielen parallelen Ereignissen, eine umfangreiche Mindmap zu einem mehrstündigen Thema, Systemdiagramme in Physik oder Biologie, visuelle Gruppenarbeiten im Kunstunterricht.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive: Miro erlaubt visuelles Denken auf einer Ebene, die Papierplakate nicht bieten: Zoomen, Verschieben und Umsortieren ohne Materialverschleiß. Das begünstigt elaborative Verarbeitung, also das Verknüpfen neuer Inhalte mit vorhandenem Wissen. Inhalte werden nicht nur gesammelt, sondern räumlich in Beziehung gesetzt.

5. Zumpad / Etherpad — die minimalistische Open-Source-Lösung

Wofür es steht: Zumpad ist ein in Deutschland betriebener Etherpad-Dienst; Etherpad selbst ist ein Open-Source-Projekt für kollaborative Echtzeit-Texte. Das Konzept ist minimalistisch. Ein Dokument, mehrere Schreibende gleichzeitig, alle Änderungen sofort sichtbar und farblich nach Person markiert.

Was es kann: Einfacher kollaborativer Text. Keine Bilder, keine Multimedia, keine Kacheln. Dafür ohne Anmeldung, ohne Installation, ohne Konto. Link teilen, schreiben.

Stärken:

  • Radikale Einfachheit, keine Einarbeitung nötig
  • Zumpad läuft auf deutschen Servern, DSGVO-entspannt
  • Völlig kostenlos, keine Limits
  • Ideal für spontane, unkomplizierte Textkollaboration

Schwächen:

  • Nur Text, keine Bilder, keine Strukturierung
  • Keine Moderation, kein Rechte-Management
  • Pads laufen nach einiger Zeit ab (je nach Dienst)
  • Visuell unattraktiv

Wann einsetzen: Wenn du schnell und unkompliziert ein gemeinsames Brainstorming textbasiert machen willst. Beispiel: Klasse sammelt Begriffe zu einem Einstiegsthema. Jeder schreibt parallel. Nach 5 Minuten ist die Sammlung vorhanden. Ohne Accounts, ohne Technik-Debatte.

Aus bildungswissenschaftlicher Perspektive: Zumpad erinnert daran, dass kollaboratives Lernen nicht visuell oder multimedial sein muss. Die reine Textkollaboration kann produktiver sein, weil sie auf den sprachlichen Kern reduziert. Für sprachbewussten Fachunterricht ist das Format unterschätzt.

Meine Empfehlung nach Einsatzszenario

Für den Padlet-Ersatz im Alltag: TaskCards. Deckt den Löwenanteil typischer Anwendungen ab, wird als DSGVO-konform beworben und ist in der deutschen Bildungslandschaft etabliert.

Für sensible Inhalte und maximalen Datenschutz: Cryptpad. Besonders bei Themen, in denen Schüler:innen persönliche Meinungen oder Erfahrungen teilen.

Für echte Projektarbeit über mehrere Wochen: Trello. Wenn Aufgaben strukturiert verfolgt werden müssen und Verantwortlichkeiten klar sein sollen.

Für komplexes visuelles Arbeiten: Miro. Allerdings nur, wenn Einfacheres nicht reicht und du bereit bist, die Lernkurve zu gehen.

Für schnelle, unkomplizierte Textkollaboration: Zumpad. Das unterschätzte Werkzeug für spontane Gruppenarbeit.

Und Padlet selbst? Es bleibt ein starkes Werkzeug für alle, die die Pro-Version finanzieren oder an Schulen arbeiten, an denen Padlet zentral lizenziert ist. Ersatzdruck entsteht vor allem dort, wo weder Budget noch DSGVO-Klärung vorliegen.

Häufige Fragen

Ist TaskCards wirklich komplett kostenlos?

Die Basis-Version mit begrenzter Pinnwand-Zahl ist für einzelne Lehrkräfte kostenlos nutzbar. Wer mehr Pinnwände braucht oder eine Schullizenz möchte, zahlt. Die Kollegiums-Lizenz liegt aber deutlich unter dem Preis einer vergleichbaren Padlet-Pro-Flotte. Viele Schulträger haben bereits gemeinsame TaskCards-Lizenzen abgeschlossen.

Sind meine alten Padlets exportierbar?

Ja. Padlet erlaubt den Export als PDF, CSV, Bild oder Datei. Für den Umzug auf TaskCards gibt es keine direkte Import-Funktion, aber exportierte Inhalte lassen sich manuell übertragen. Bei wenigen aktiven Padlets ist das in einer Stunde zu schaffen. Bei vielen Padlets lohnt die Frage, welche davon wirklich weitergebraucht werden.

Welche Alternative ist für jüngere Klassen geeignet?

TaskCards und Zumpad sind am einsteigerfreundlichsten. Die Oberflächen sind klar, die Bedienung selbsterklärend. Miro und Trello brauchen mehr Einführung und sind eher ab Klasse 8 sinnvoll.

Muss ich Schüler:innen anmelden?

Bei keinem der hier besprochenen Tools ist ein Schüler-Account zwingend. Alle erlauben Zugang über einen geteilten Link. Das macht die Datenschutz-Lage deutlich entspannter als bei Tools, die Accounts verpflichtend machen.

Wie entscheide ich mich, wenn ich nicht auf eins festlegen will?

Ein pragmatischer Weg: TaskCards als Standardwerkzeug für den Regelfall. Für die Ausnahmen, also ein großes Whiteboard-Projekt, eine längerfristige Projektarbeit oder schnelle Textkollaboration, ziehst du gezielt das passende Spezialwerkzeug dazu. Mehrere Tools parallel zu beherrschen ist weniger Aufwand, als es klingt, solange eines die Basis bildet.

Was jetzt konkret zu tun ist

Wenn du noch mit Padlet arbeitest und umsteigen willst, ist dieser Weg machbar:

Schritt 1: Lege einen TaskCards-Account an. Probiere das Tool mit einer einfachen Pinnwand selbst aus — ein Einstieg ins nächste Thema, eine kleine Feedback-Abfrage.

Schritt 2: Migriere zuerst die Padlets, die du regelmäßig nutzt. Die anderen kannst du vorerst bei Padlet lassen und nach Bedarf überführen.

Schritt 3: Sprich im Kollegium über gemeinsame Lizenzmodelle. Einzelne Lehrkraft-Accounts sind die teuerste Lösung; Schul- oder Kollegiumslizenzen sind in der Regel günstiger.

Schritt 4: Beziehe die Schulleitung ein. Die datenschutzrechtliche Verantwortung liegt bei der Schule, nicht bei der einzelnen Lehrkraft. Eine schulweite Empfehlung wirkt deshalb weiter als ein individueller Wechsel.