Unterrichtshelden

Prodigy Math

Fantasy-Rollenspiel, in dem Mathe-Aufgaben die Kämpfe entscheiden

gameFreemiumDatenschutz: kritisch eingeordnet

Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.

GrundschuleSekundarstufe IMathematikEnglisch

Ein Fantasy-Rollenspiel für Klasse 1–8: Schüler:innen erkunden eine Spielwelt, sammeln Ausrüstung und Haustiere — und gewinnen Kämpfe nur durch richtig gelöste Mathe-Aufgaben, die sich adaptiv an das Leistungsniveau anpassen. Hersteller ist Prodigy Education aus Toronto; für Lehrkräfte kostenlos, finanziert über Eltern-Abos.

Perfekt für

Wenn überhaupt, dann für bilinguale Mathe-Züge oder als freiwilliges Übungsangebot mit Elterneinwilligung — nicht als Standardtool für den Regelunterricht in Deutschland.

Stärken

  • Sehr hohe intrinsische Spielmotivation, große Übungsmengen
  • Adaptives Aufgabenniveau, Lehrkraft kann Themen zuweisen
  • Für Lehrkräfte kostenlos, mit Berichten zum Lernstand
  • Läuft im Browser und als App

Schwächen

  • Keine deutsche Oberfläche, keine Ausrichtung an deutschen Curricula
  • Spielinhalt und Lerninhalt sind nicht verbunden (Aufgabe als Eintrittskarte)
  • Aggressive Abo-Werbung gegenüber Kindern (FTC-Beschwerde 2021)
  • Schüleraccounts Pflicht, Server in Kanada/USA, keine DSGVO-Werbeaussage

Typische Einsatzszenarien

  • Übungsphasen im bilingualen Mathematikunterricht (Klasse 5–7)
  • Freiwilliges Zusatzangebot mit Einwilligung der Eltern
  • Vergleichsbeispiel im Seminar: „Chocolate-Covered Broccoli“ vs. integriertes GBL
Ausführlicher Testbericht

Prodigy ist das kommerziell erfolgreichste Beispiel für die „Chocolate-Covered Broccoli“-Bauweise: Das Spiel (Pokémon-artige Kämpfe, Zauber, Haustiere) und der Lerninhalt (Mathe-Aufgaben) sind nicht miteinander verwoben, sondern die Aufgabe ist die Eintrittskarte zum nächsten Spielzug. Das funktioniert motivational erstaunlich gut — Kinder lösen freiwillig hunderte Aufgaben — hat aber einen didaktischen Preis: Der Spielinhalt lehrt nichts über Mathematik. Was wirkt, ist die Menge an Übung und das adaptive Aufgabenniveau, nicht die Spielmechanik selbst.

Für Lehrkräfte interessant sind Klassenverwaltung, Zuweisung von Themen und Berichte über Bearbeitungsstand und Fehlerbilder. Das Aufgabenmaterial ist an US-Standards (Common Core) und die Curricula weiterer Länder ausgerichtet; einen Abgleich mit deutschen Kerncurricula gibt es nicht. Und: Die Oberfläche existiert nur auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch. Für den deutschen Mathematikunterricht heißt das, dass Aufgabentexte auf Englisch gelesen werden müssen — in bilingualen Zügen ein Feature, sonst eine Hürde.

Der größte Kritikpunkt ist das Geschäftsmodell. Die Mathe-Inhalte sind kostenlos, aber kosmetische Belohnungen, Haustiere und ganze Spielzonen sind Eltern-Abos vorbehalten — und das Spiel bewirbt diese Mitgliedschaften direkt gegenüber den Kindern. 2021 reichte die US-Verbraucherorganisation Fairplay deshalb eine Beschwerde bei der FTC ein. Wer Prodigy im Unterricht einsetzt, erzeugt Kaufdruck im Elternhaus, ob gewollt oder nicht.

Datenschutz: Für den Einsatz sind individuelle Schüleraccounts zwingend. Die Daten werden laut Privacy Policy in Kanada und den USA verarbeitet; der Anbieter verweist auf Betroffenenrechte nach DSGVO, wirbt aber nicht mit Konformität und bietet keinen erkennbaren Auftragsverarbeitungsvertrag für EU-Schulen an. Damit fällt Prodigy in die Kategorie „ohne schulische Freigabe nicht mit echten Schülerdaten nutzen“.

Anwendungsbeispiel

Denkbar ist Prodigy, wenn überhaupt, in bilingualen Mathe-Zügen der Klassen 5–7 als freiwilliges Übungsangebot mit Elterneinwilligung und schulischer Freigabe: Die Lehrkraft weist ein Thema zu und liest die Berichte zu Bearbeitungsstand und Fehlerbildern — die englischen Aufgabentexte sind dort Feature statt Hürde. Für den Regelunterricht in Deutschland ist es kein Standardtool.

Ein weiterer möglicher Einsatz liegt im Seminar oder in der Fortbildung: Prodigy als Vergleichsbeispiel für „Chocolate-Covered Broccoli“ gegenüber intrinsisch integriertem Game-Based Learning wie DragonBox.

Preismodell (Quelle)

Für Lehrkräfte und Schulen kostenlos; Mathe- und Englisch-Inhalte sind frei, Science-Inhalte und Spiel-Extras nur mit Mitgliedschaft (Quelle: https://www.prodigygame.com/main-en/teachers, abgerufen 06.09.2026). Eltern-Mitgliedschaften laut Preisseite: Core 58,95 US-$/Jahr, Plus 88,95 US-$/Jahr, Ultra 118,95 US-$/Jahr; Monatsabos 9,95/14,95/19,95 US-$ (Quelle: https://www.prodigygame.com/Memberships/math/). Die Preise sind Aktionspreise und schwanken.

DSGVO-Einordnung

Kritisch eingeordnet: Schüleraccounts erforderlich, Datenverarbeitung in Kanada/USA, keine DSGVO-Werbeaussage, kein AV-Vertrag für EU-Schulen gefunden. Nur mit schulischer Freigabe und Elterneinwilligung einsetzbar.

Quellen

Screenshots
Screenshot: Prodigy Math, Stand September 2026. Bildzitat der offiziellen Website zu Review-Zwecken; alle Rechte beim Anbieter.
Technische Details
Preismodell
Freemium
Datenschutz
Datenschutz: kritisch eingeordnet

Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.

Server-Standort
USA
Offline nutzbar
Nein
Für welche Fächer und Schulformen

Schulformen

grundschulesek1

Fächer

MathematikEnglisch

Alternativen

Anton

Kostenlose, werbefreie Lern-App mit lehrplankonformen Inhalten

FreemiumAnbieter wirbt: DSGVO-konform
4.5

Bettermarks

Adaptive Mathe-Lernplattform mit Editoring für Lehrkräfte

Für Schulen kostenlosAnbieter wirbt: DSGVO-konform
4.5

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