Papers, Please
Grenzkontrolle im Überwachungsstaat — Regeln befolgen oder die eigene Familie ernähren
Du bist die Überwachung — Datensammeln aus der Täterperspektive, aus Hamburg
Ein Überwachungsthriller des Hamburger Studios Osmotic Studios: Die Spielenden arbeiten als Ermittler für das staatliche Überwachungssystem „Orwell“, durchsuchen Chats, E-Mails, Social-Media-Profile und Behördenakten von Verdächtigen und entscheiden, welche Datenschnipsel sie ins System hochladen. Was hochgeladen wird, hat Folgen — auch falsche. In fünf Episoden, deutsche Textfassung.
Perfekt für Medienbildung, Ethik und Informatik ab Klasse 9, wenn Datenschutz nicht als Regelwerk, sondern als Frage der Interpretation von Daten unterrichtet werden soll.
Der didaktische Clou von Orwell ist der Perspektivwechsel. Überwachung wird im Unterricht meist aus Sicht der Überwachten behandelt: Was bedeutet es, beobachtet zu werden? Orwell setzt die Klasse auf die andere Seite und konfrontiert sie mit einer konkreten Arbeitsaufgabe — aus Textfragmenten ein Bild einer Person bauen. Dabei passiert regelmäßig dasselbe: Ein aus dem Zusammenhang gerissener Chatsatz ergibt hochgeladen einen Verdacht, der die Person das Leben kostet. Die Spielenden erzeugen die Fehlinterpretation selbst, und sie können hinterher nachlesen, welche vollständige Nachricht sie gekürzt haben.
Damit trifft das Spiel exakt einen Kompetenzbereich, der in Informatik- und Medienbildungscurricula steht, aber schwer zu unterrichten ist: Kontextverlust bei Datenverarbeitung. Dass Daten ohne ihren Kontext etwas anderes bedeuten, lässt sich behaupten oder man lässt es die Klasse tun. Fachdidaktisch anschlussfähig ist außerdem die Spannung zwischen Sicherheit und Freiheitsrechten — die Erzählung liefert dazu Terroranschläge als Rechtfertigungsdruck, ohne die Frage aufzulösen. Im Deutschunterricht funktioniert das Spiel als Gegenwartstext zu Orwells „1984“, in Ethik als Fall für Güterabwägung.
Die Grenzen sind praktischer Natur. Das Spiel ist textlastig — wer nicht flüssig liest, kommt nicht durch, und die bpb weist auf die nötige Textkompetenz hin. Fünf Episoden bedeuten fünf bis acht Stunden Spielzeit; sinnvoll ist deshalb, eine Episode gemeinsam zu spielen und die übrigen zu überspringen oder zu Hause spielen zu lassen. Gut ist die Materiallage: Games im Unterricht stellt ein vollständiges, frei lizenziertes Unterrichtskonzept bereit (Spielen, Analyse, Transfer). Zu prüfen ist die Altersfreigabe — für die PC-Version liegt keine USK-Prüfung vor, PEGI vergibt 16, während die Switch-Seite widersprüchlich „USK ab 0“ anzeigt.
Datenschutz: Einzelspieler ohne Konto, keine Datenerfassung laut App-Store-Label. Der Entwickler ist eine deutsche GmbH; die Bedingungen der Vertriebsplattform gelten.
Ein möglicher Einsatz ist eine Doppelstunde in Klasse 9 oder 10 zum Thema Überwachung und Datenschutz: Die Klasse spielt die erste Episode gemeinsam am Beamer und entscheidet per Abstimmung, welche Datenfragmente hochgeladen werden; anschließend wird jedes hochgeladene Fragment mit der vollständigen Originalnachricht verglichen — Leitfrage: An welcher Stelle ist aus einem Satz ein Verdacht geworden, und wer hat das getan?
Denkbar ist außerdem der Einsatz im Deutschunterricht als Gegenwartsbezug zur Lektüre von „1984“, bei dem die Klasse vergleicht, wie Überwachung im Roman und im Spiel jeweils funktioniert — zentrale Instanz gegen freiwillige Datenpreisgabe.
PEGI 16; die PC-Version ist laut bpb nicht USK-geprüft, Steam zeigt für Deutschland eine IARC-Einstufung ab 12. Die deutsche Switch-Seite nennt „USK ab 0“ — das ist mit den übrigen Angaben nicht vereinbar. Pädagogische Empfehlungen: bpb ab 16, Stiftung Digitale Spielekultur ab 14.
Rund eine Stunde pro Spieltag, fünf Episoden — insgesamt 5–8 Stunden. Für den Unterricht: eine Doppelstunde für Episode 1, plus 2 Stunden Analyse; das Unterrichtskonzept von Games im Unterricht rechnet mit 5–8 Stunden Spiel, 2 Stunden Analyse und 3–4 Stunden Transfer.
Steam regulär 9,99 € (Quelle: Steam-Store-API, cc=de, abgerufen 09.09.2026). App Store DE 5,99 € ohne In-App-Käufe (Quelle: App Store DE). Keine Schul- oder Bildungslizenz gefunden.
Keine DSGVO-Werbeaussage zum Spiel. Einzelspieler ohne Spielkonto; App-Store-Label: keine Datenerfassung. Entwickler ist eine deutsche GmbH (Osmotic Studios, Hamburg); es gelten die Bedingungen der Vertriebsplattform. Auf verwalteten Schulgeräten unproblematisch.
Screenshots folgen.
Ob ein Tool im Einsatz DSGVO-konform ist, hängt vom konkreten Einsatz ab — meine Einordnung ersetzt keine schulinterne Prüfung.
Grenzkontrolle im Überwachungsstaat — Regeln befolgen oder die eigene Familie ernähren
Strategiespiel über eine Berliner Widerstandsgruppe 1933–1945 — mit Unterrichtskonzept
Krieg aus Sicht der Zivilbevölkerung — das Standardwerk unter den Dilemma-Spielen
Teste es kostenlos und mach dir selbst ein Bild.