Erklärvideos für den Unterricht selbst produzieren: Tools, Workflow, Praxis-Tipps
Ein Leitfaden aus eigener Produktionspraxis — ohne teures Equipment
Warum eigene Erklärvideos sinnvoll sind
Es gibt auf YouTube mehr kostenlose Erklärvideos, als eine Lehrkraft in einem Leben sichten kann. Trotzdem produzieren immer mehr Lehrkräfte eigene Videos. Warum?
Passgenauigkeit. Ein fertiges Video auf YouTube erklärt ein Thema irgendwie. Ein selbstproduziertes erklärt es so, wie deine Klasse es braucht: mit deiner Sprache, deinen Beispielen und in der Reihenfolge, die zu deinem Lehrplan passt.
Wiederverwendbarkeit. Ein Video produzierst du einmal und zeigst es über Jahre. Der Anfangsaufwand amortisiert sich schnell. Das gilt besonders für Inhalte, die jedes Jahr wiederkehren (Bruchrechnung, Zellaufbau, Satzglieder).
Flipped Classroom. Bei diesem Unterrichtskonzept wandert die theoretische Erklärung ins Video; im Unterricht bleibt Zeit für Anwendung, Übung und Nachfragen. Das ist didaktisch oft wirksamer als der klassische Lehrer-Vortrag im Plenum.
Differenzierung. Schüler:innen können Videos im eigenen Tempo anschauen, stoppen, zurückspulen. Was im Live-Unterricht für manche zu schnell und für andere zu langsam ist, wird im Video selbstgesteuert.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob Erklärvideos sinnvoll sind, sondern wie du sie produzierst, ohne unverhältnismäßig viel Zeit zu investieren.
Die drei Typen von Erklärvideos
Bevor ich zu Tools und Workflow komme, eine wichtige Unterscheidung. Wer Erklärvideo sagt, meint meist eines von drei Formaten. Die Wahl bestimmt das Tool, den Aufwand und die Lernwirkung.
Typ 1: Screencast. Du nimmst deinen Bildschirm auf und kommentierst ihn mündlich. Das klassische Format für Software-Tutorials, Präsentations-Durchläufe und Website-Erklärungen; einfachstes Setup, niedrigste Hürde.
Typ 2: Animiertes Erklärvideo. Gezeichnete oder animierte Elemente erklären einen Sachverhalt. Das sind die Videos im Stil von "Simpleshow" oder Kurzgesagt, wobei beide am oberen Ende der Produktionskomplexität liegen. Es gibt Tools, die das auf Lehrkraft-Niveau ermöglichen.
Typ 3: Live-Erklärvideo mit Person. Du stehst vor der Kamera und erklärst etwas, eventuell mit Greenscreen und eingeblendeten Elementen. Das ist der höchste Produktionsaufwand und erfordert Equipment und Übung.
Für den typischen Unterrichtseinsatz sind Typ 1 und Typ 2 am effizientesten. Typ 3 lohnt nur, wenn deine Person Teil der didaktischen Botschaft ist, etwa für motivationale Einführungen, Begrüßungen oder eine konstante Moderation deiner Video-Serie.
Dieser Artikel fokussiert auf Typ 1 und Typ 2, weil sie das beste Verhältnis aus Aufwand und Wirkung bieten.
Setup für Screencasts: was du wirklich brauchst
Für einen Screencast brauchst du drei Dinge: einen Computer, eine Bildschirmaufnahme-Software und ein brauchbares Mikrofon. Das Mikrofon ist der unterschätzte Faktor.
Das Mikrofon. Ein schlechtes Bild verzeiht dir das Publikum. Einen schlechten Ton nicht. Wer mit dem eingebauten Laptop-Mikro aufnimmt, riskiert Videos, die Schüler:innen nach 30 Sekunden wegklicken. Die Investition: ein einfaches USB-Mikrofon für 40-70 Euro. Meine Empfehlung aus eigener Nutzung: das Rode NT-USB Mini oder ein Samson Q2U. Beide sind deutlich besser als die meisten Laptop-Mikros und trotzdem bezahlbar. Auch ein kabelgebundenes Lavalier-Mikrofon für unter 30 Euro reicht.
Die Bildschirmaufnahme-Software:
Es gibt drei Kategorien von Tools: kostenlos-minimal, kostenlos-mächtig und kostenpflichtig-komfortabel.
OBS Studio (kostenlos, Open Source, Windows/Mac/Linux) ist das mächtigste kostenlose Tool auf dem Markt. Es kommt ursprünglich aus dem Streaming-Bereich, lässt sich aber hervorragend für Screencasts nutzen. Die Lernkurve ist steiler als bei Konkurrenten. Wer einmal drin ist, hat dafür alle Optionen: mehrere Quellen (Bildschirm plus Webcam plus Mikro), unterschiedliche Szenen, Echtzeit-Wechsel. Ich habe es in der Uni für komplexere Produktionen genutzt und kann die zeitliche Investition bestätigen: Die ersten zwei bis drei Videos fühlen sich holprig an, danach sitzt der Workflow.
Loom (freemium, also in der Basisversion kostenlos; browserbasiert) ist das Gegenmodell. Radikal einfach: Browser-Extension installieren, "Aufnahme starten" klicken, Bildschirm plus Webcam plus Mikro aufnehmen, fertig. Das Video liegt sofort online und lässt sich per Link teilen. Die kostenlose Version ist auf 5 Minuten pro Video limitiert; das reicht für die meisten Erklärvideos. Wenn nicht, kostet die Bezahlversion ab 12 Dollar pro Monat. Der DSGVO-Status ist kompliziert, denn die Server stehen in den USA.
Screencast-O-Matic (inzwischen ScreenPal) bewegt sich dazwischen: einfacher als OBS, umfangreicher als Loom, mit direkt eingebauter Schnitt-Funktion. Die kostenlose Version ist mit Wasserzeichen nutzbar, die Bezahlversion kostet ab etwa 20 Euro pro Jahr.
Die pragmatische Empfehlung: Wenn du maximal schnell starten willst, nimm Loom. Wenn du regelmäßig Videos produzieren wirst und einmalige Einarbeitungszeit akzeptierst, lohnt OBS. Beides sind solide Wege.
Setup für animierte Erklärvideos
Animierte Videos klingen nach großem Produktionsaufwand, sind aber mit den richtigen Tools für Lehrkräfte in machbarer Zeit produzierbar. Zwei Werkzeuge dominieren aktuell den Bildungsbereich.
PowerPoint mit Aufnahme-Funktion wird oft übersehen. Moderne PowerPoint-Versionen (ab Office 365) haben eine integrierte Aufnahme-Funktion für animierte Präsentationen. Du baust deine Folien mit Übergängen, Animationen und eingeblendeten Elementen und nimmst dann die Präsentation mit deiner Stimme als Video auf. Das Ergebnis sieht professionell aus, besonders wenn du mit guten Grafiken und klaren Animationen arbeitest.
Ich habe diese Methode in Uni-Seminaren intensiv genutzt. Der Vorteil: Du arbeitest in einer Software, die du schon kennst; die Lernkurve entfällt. Der Nachteil: Die Animations-Möglichkeiten sind begrenzt. Für komplexere Visualisierungen (Moleküle, biologische Prozesse, historische Zeitleisten mit vielen Ebenen) wird PowerPoint schnell unübersichtlich.
Canva ist für viele Lehrkräfte der bessere Einstieg in animierte Videos. Canvas Video-Editor hat in den letzten Jahren stark aufgeholt. Es gibt fertige Video-Templates, Animationen per Klick, Tonspur-Integration und eine große Bibliothek an Illustrationen, Icons und Stock-Videos. Wer mit Canvas Präsentations-Seite schon arbeitet, findet sich sofort zurecht.
Konkret: Du legst eine Video-Präsentation an, fügst Folien hinzu, animierst Elemente und zeichnest deine Stimme direkt in Canva auf oder fügst vorproduzierte Audio-Dateien ein. Export als MP4. Die kostenlose Canva-Version reicht für den Einstieg. Canva Pro (für Lehrkräfte unter bestimmten Bedingungen kostenfrei) eröffnet die komplette Bibliothek.
Powtoon ist auf genau diesen Video-Typus spezialisiert: den klassischen "animated explainer". Es bietet starke Animations-Templates und viele Stilrichtungen (Whiteboard-Animation, Cartoon, Infografik). Der Nachteil ist der Preis: Die kostenlose Version hat ein Wasserzeichen und kürzere Videolängen, ernsthafte Nutzung beginnt bei etwa 20 Dollar pro Monat. Für Lehrkräfte, die viele animierte Videos produzieren wollen, ist die Qualität den Preis wert. Für Gelegenheits-Produktion ist das Tool überdimensioniert.
Die pragmatische Empfehlung: Starte mit Canva, wenn du visuelles Arbeiten magst. Starte mit PowerPoint-Aufnahme, wenn du in Office-Software sicher bist und keine Software-Umgewöhnung möchtest. Powtoon lohnt erst, wenn du regelmäßig produzierst.
Schnitt und Nachbearbeitung
Viele Screencasts und animierte Videos kommen ohne klassischen Schnitt aus. Wenn du sauber aufnimmst, reicht die Aufnahme-Software oft direkt als Export-Quelle. Wer aber Versprecher herausschneiden, Übergänge bauen oder mehrere Clips zusammensetzen will, braucht ein Schnitt-Tool.
CapCut (kostenlos, Desktop und Mobile) hat sich in den letzten Jahren zu einem der meistgenutzten kostenlosen Schnitt-Tools entwickelt. Ursprünglich für soziale Medien gedacht, ist es inzwischen sehr mächtig: Multispur-Schnitt, Effekte, Übergänge, Tonanpassung, sogar automatische Untertitelung. Die Benutzeroberfläche ist intuitiv und für Einsteiger deutlich leichter zugänglich als die traditionellen Profi-Tools. Ich habe es für die Nachbearbeitung von Uni-Videos genutzt; die Lernkurve war überschaubar.
iMovie (kostenlos, nur Mac/iOS) ist Apples Antwort auf das gleiche Bedürfnis: noch einsteigerfreundlicher als CapCut, aber mit weniger Features. Wenn du im Apple-Ökosystem unterwegs bist und nur gelegentlich schneidest, reicht iMovie völlig.
DaVinci Resolve (kostenlos in der Basis-Version) ist das Profi-Werkzeug für alle, die tiefer einsteigen wollen. Es bietet Farbkorrektur und Schnitt-Funktionen auf Kino-Niveau, hat aber eine steile Lernkurve. Für normale Unterrichts-Erklärvideos ist es überdimensioniert, aber kostenlos verfügbar, falls du neugierig bist.
Adobe Premiere ist der Industriestandard, kostet aber entsprechend (monatliches Abo) und hat für unsere Zwecke keine Vorteile gegenüber CapCut.
Die pragmatische Empfehlung für Schnitt: CapCut ist der beste Kompromiss aus Einfachheit, Leistung und Preis. Wer primär im Apple-System arbeitet, kann auch iMovie nutzen.
Der Workflow: Von der Idee zum fertigen Video
Die Tools zu kennen genügt nicht. Der Workflow entscheidet, ob du zwei Stunden oder zwei Tage für ein Video brauchst. Aus eigener Produktionspraxis ein Ablauf, der sich bewährt hat:
Schritt 1: Das Lernziel formulieren (10-15 Minuten).
Bevor du ein Tool öffnest, schreibe auf: Was genau sollen die Lernenden nach dem Video können oder verstehen? Ein Satz. Wer das nicht kann, sollte nicht produzieren. Das klingt trivial, ist aber der häufigste Grund, warum Videos zu lang, zu unfokussiert oder inhaltlich wirr werden.
Schritt 2: Die Struktur skizzieren (15-30 Minuten).
Ein Erklärvideo hat fast immer drei Teile: Einstieg (warum ist das relevant?), Haupterklärung (der Inhalt, strukturiert in maximal drei bis fünf Unterpunkte), Abschluss (Zusammenfassung oder Anwendungsimpuls). Skizziere diese drei Teile als Stichpunkte. Das ist dein Drehbuch.
Schritt 3: Das Skript schreiben (30-60 Minuten).
Viele Lehrkräfte überspringen diesen Schritt und sprechen aus dem Stegreif. Das Ergebnis: viele Füllwörter, Redundanz, Versprecher, überlange Videos. Ein geschriebenes Skript spart am Ende Zeit, weil die Aufnahme schneller geht und der Schnitt minimal ausfällt.
Ein Tipp aus der Praxis: Schreib das Skript in natürlicher, gesprochener Sprache. Verwende Sätze, die beim Vorlesen gut klingen, nicht Sätze, die in einem Aufsatz stehen würden.
Schritt 4: Aufnahme (20-45 Minuten).
Ruhige Umgebung, Tür zu, Mikrofon nah am Mund (eine Handbreit). Wenn du dich versprichst, stoppe nicht sofort. Pausiere kurz und wiederhole den letzten Satz; im Schnitt entfernst du die fehlerhafte Version. Das ist schneller, als jedes Mal neu zu starten.
Schritt 5: Schnitt (15-45 Minuten je nach Komplexität).
Versprecher raus, lange Pausen kürzen, eventuell Titel und Outro einfügen. Mehr nicht. Wer jeden Zehntelsekunden-Übergang optimiert, verbringt den halben Tag mit einem Video. Die 80/20-Regel gilt besonders im Schnitt.
Schritt 6: Export und Bereitstellung (10 Minuten).
Export in gängigem Format (MP4, 1080p reicht). Lade das Video auf die Plattform hoch, die du nutzt: YouTube (ungelistet), dein Schul-LMS oder eine DSGVO-konforme Alternative. Kommuniziere den Link an die Klasse.
Gesamt-Zeitaufwand pro Video: Bei erfahrener Produktion zwei bis drei Stunden für ein fünf- bis achtminütiges Video. Die ersten zwei bis drei Produktionen dauern länger; das ist normal und geht vorbei.
Die häufigsten Anfängerfehler
Aus Beobachtung in Uni-Seminaren und aus eigener Erfahrung die typischen Stolperfallen:
Fehler 1: Zu lang. Fünf Minuten sind meistens zu lang. Drei bis vier Minuten sind das bessere Maß. Wer das nicht schafft, hat zu viele Themen in einem Video.
Fehler 2: Zu textlastig. Wer seine PowerPoint-Folien mit Bullet-Points füllt und sie dann vorliest, produziert ein langweiliges Video. Die visuelle Spur muss etwas anderes zeigen als das, was die Tonspur sagt: Visualisierung, nicht Wiederholung.
Fehler 3: Unklare Zielgruppe. Wer Klasse 5 und Klasse 10 gleichzeitig ansprechen will, erreicht am Ende beide nicht. Ein Video, ein klares Niveau.
Fehler 4: Unstrukturierte Aufnahme. Wer ohne Skript spricht, schneidet hinterher stundenlang. Das Skript ist die beste Zeitinvestition.
Fehler 5: Perfektionismus im Schnitt. Schüler:innen sind nachsichtiger als Erwachsene. Kleine Unperfektionen im Schnitt stören weniger als ein Video, das nie fertig wird.
Fehler 6: Fehlendes Tool-Ökosystem. Wer bei jedem Video ein neues Tool ausprobiert, verliert viel Zeit. Lege dich auf ein Aufnahme-Tool, ein Schnitt-Tool und ein Animations-Tool fest. Die Routine beschleunigt jede weitere Produktion.
Rechtliches: Was du wissen solltest
Drei juristische Aspekte werden bei Erklärvideos oft übersehen.
Musik und Bilder. Wer GEMA-pflichtige Musik einbindet, also Musik, für deren Nutzung die Verwertungsgesellschaft GEMA Gebühren erhebt, und das Video öffentlich zeigt (theoretisch auch im LMS), kann rechtliche Probleme bekommen. Die Lösung: GEMA-freie Musik von Seiten wie Pixabay, Bensound oder aus der Bibliothek deines Schnittprogramms. Verwende Bilder nur mit Nutzungslizenz (Creative Commons, eigene Aufnahmen, lizenzierte Datenbanken wie Pixabay, Unsplash).
Schüler:innen im Video. Wenn Schüler:innen im Video zu sehen oder zu hören sind, brauchst du Einverständniserklärungen der Eltern. Bei Screencasts ohne Schüler-Beteiligung ist das unproblematisch.
Eigene Urheberrechte. Was du produzierst, gehört dir — auch wenn du es im schulischen Kontext erstellst. Das ändert sich nur, wenn du einen Vertrag unterschrieben hast, der Nutzungsrechte an den Arbeitgeber überträgt (in Deutschland im Lehrerkontext selten).
Die Tool-Empfehlung auf einen Blick
Die kompakte Werkzeugliste für den Einstieg:
Für Screencasts: Loom (maximal einfach) oder OBS (maximal flexibel)
Für animierte Videos: Canva (visuell stark) oder PowerPoint mit Aufnahme (vertraute Umgebung)
Für Schnitt: CapCut (Windows/Mac/Mobile) oder iMovie (nur Mac)
Mikrofon: USB-Mikrofon ab 40 Euro (Samson Q2U, Rode NT-USB Mini)
Für alles andere: Ein ruhiger Raum, eine Tür zum Zumachen, ein Glas Wasser am Platz.
Wie du am besten startest
Wer noch nie ein Erklärvideo produziert hat und einsteigen will, dem empfehle ich: Produziere in der nächsten Woche ein Video von maximal drei Minuten zu einem Thema, das du gut kennst. Egal mit welchem Tool, egal wie perfekt. Ziel ist kein Meisterwerk, sondern das einmalige Durchlaufen des kompletten Workflows von Anfang bis Ende.
Das erste Video ist der schwerste Schritt. Danach werden alle weiteren deutlich schneller — weil du die Tools kennst, die Fehlerquellen kennst und ein Gefühl für den eigenen Sprech-Rhythmus entwickelt hast.
Ein weiterer Tipp: Teste das Video an einer einzelnen Klasse, bevor du es breit einsetzt. Feedback von Schüler:innen zu eigenen Produktionen ist ehrlicher und nützlicher als viele Fortbildungen. Frag konkret: Was war verständlich? Wo warst du abgeschweift? Wie lang war es gefühlt? Aus diesen Rückmeldungen lernst du für jede weitere Produktion.
Häufige Fragen
Wie lange sollte ein Erklärvideo dauern?
Für die Sekundarstufe I haben sich drei bis fünf Minuten als gutes Maß etabliert. Die Aufmerksamkeitsspanne beim passiven Zuschauen ist begrenzt. Wer längere Inhalte vermitteln muss, sollte sie in mehrere Videos aufteilen. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass Lernende gezielt einzelne Aspekte wiederholen können.
Muss ich im Video selbst zu sehen sein?
Nein. Für Screencasts und animierte Videos reicht die Stimme. Studien zur Wirksamkeit (Richard Mayer, Cognitive Theory of Multimedia Learning) zeigen, dass ein sichtbarer Sprecher nur in manchen Kontexten die Lernwirkung erhöht — und in anderen sogar ablenkt. Wenn du dich vor der Kamera unwohl fühlst, produzierst du, ohne dich sichtbar zu machen. Das ist pädagogisch nicht schlechter.
Wie umgehe ich das DSGVO-Thema beim Hochladen?
YouTube ungelistet ist für viele Schulen eine pragmatische Lösung: Nur wer den Link hat, sieht das Video. Noch sauberer ist das Hochladen auf DSGVO-konforme Plattformen wie die eigene Schul-Nextcloud oder ein Schul-Tube der Landesmedienzentren. Das hängt stark vom Bundesland und der Schulausstattung ab.
Lohnt sich die Investition in ein besseres Mikrofon wirklich?
Ja, es ist mit Abstand die beste Investition. Ein 50-Euro-USB-Mikrofon macht den Unterschied zwischen "professionell" und "hobbymäßig" aus. Einmalige Anschaffung, jahrelange Nutzung.
Wie oft sollte ich Videos neu produzieren?
Ein gutes Erklärvideo zu einem stabilen Lehrplan-Thema hält mehrere Jahre; jährliche Neuproduktion ist nicht nötig. Alle drei bis vier Jahre eine Überarbeitung reicht, außer bei Themen mit schnellen inhaltlichen Änderungen (digitale Tools, aktuelle politische Themen).
Kann ich auch Videos nutzen, die Schüler:innen produzieren?
Ja, das ist oft die bessere Variante. Schüler:innen produzieren Erklärvideos für Mitschüler:innen; dieses Lehren-durch-Erklären zählt zu den wirksamsten Lernmethoden (dokumentiert in der Forschung zu Lernen durch Lehren, Jean-Pol Martin). Der gleiche Workflow gilt für Schüler-Produktionen, nur mit zusätzlicher pädagogischer Rahmung.